Dienstag, 15. Juli 2014

Ein marmeladiger Gartenpost. Mit Unkraut. Aber vor allem mit { Wilder Pflaume, Lavendel und Vanille }. Oohh, mmmmhh.









Das Tragische an unserem Garten ist nicht, dass er klein ist.

Das Tragische an unserem Garten ist sein ungenutztes Potenzial.

Klar kann ich darauf kein Gewächshaus in der Dimension wie das meines trotz der Hasengeschichte (!) zauberhaften Bruders, seines Zeichens Schreiner, Landschaftsgärtner und seit neuerdings bei einem Steinmetz beschäftigt, aufstellen. Ein Gewächshaus aus anthrazitfarbenem Stahl mit der Quadratmeterzahl eines durchschnittlichen deutschen Kinderzimmers. Ein Gewächshaus mit zu öffnenden Dachflächenfenstern. Ein Gewächshaus mit einem Aufgang und Trittplatten aus Granit und buchskugelumrandet, in dem, überflüssig zu erwähnen, alles wächst, was man sich nur wünschen kann. Selbst lila Tomaten und eine lustige, u-förmige Gurke, die letztes Wochenende den Weg zu uns gefunden hat, längst verputzt wurde und bei deren Anblick das Kleinste verzückt "Oh! Die sieht ja aus wie ein PFERDEREIFEN!" rief. ("Technisiertes Landkind" nennt man sowas. ;) )

Selbstverständlich beneide ich, ganz zauberhafte Schwester, den Bruder deswegen nicht. Kein bisschen. Also, kein kleines bisschen nicht. Ole, bayerische Doppelverneinung. 

Aber zumindest ein Hochbett? Und Beerensträucher? Und Kräuter? Und Spalierobst statt des Weines? Das könnte er, der kleine Garten, theoretisch durchaus.

Ideen zur Gartengestaltung hab ich nämlich schrillionenfach. Ich wüsste genau, wie er auszusehen hätte. Wie ich das ungenutzte Potenzial in ein wenigstens kulinarisches Stück Altersvorsorge verwandeln könnte. 

Das mache ich auch. Irgendwann. Gleich, nachdem ich einen Minibagger gemietet und das Moos durch Rasen ersetzt habe. Und Beete angelegt und Rasenkanten gesetzt wurden und alles, was auf und um unser Fleckchen Wiese teils seit 1899 der Sonne entgegenstrebt, versetzt oder ausgegraben wurde, weil der Garten nicht eben neu angelegt, sondern seit zig Jahren ergänzt oder geplättet und im Lauf der Jahrzehnte von vielen verschiedenen Gärtnern gestaltet worden ist. Gleich danach!

Bis dahin bleibt er, der Konjunktiv. Dummerweise bräuchte ich nämlich nach dem Minibagger für die Umsetzung der vorsorglichen Einmach-Ideen mindestens vier Wochen Zeit. Am Stück. Ohne anderes. Und dreimal so viele Euros, wie diese Wochen Stunden haben. Das macht es schwierig.

Stattdessen setze ich hier ein Buchshecklein und pflanze dort eine Pfingstrose, verlege da eine Begrenzung aus alten Ziegelsteinen und stehe ansonsten rum, genieße, ehrlichwahr, was ich jetzt bereits Wunderbares habe und stelle mir dennoch vor, was wäre, wenn.

Wie unser Garten übrigens anfangs, vor über hundert Jahren, ausgesehen hat, weiss ich leider nicht. Anders als von unserem Haus, vor dem früher längst gefällte Kastanien standen und das zweiflügelige Fenster mit Oberlichten und ein Treppenhaus dort hatte, wo jetzt unsere Küche ist, gibt es davon kein Bildmaterial. Vor sechzig Jahren aber war das Gärtchen Erzählungen zufolge ein Rosengarten. Noch immer wachsen ungepflegte wilde, gefüllte und ungefüllte Bauernrosen in ihm und im Innenhof blüht bis November ein fast 50 Jahre altes Exemplar, das nach Zitrone duftet.

Von dem, was ich, und an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, wie bedeutsam diese Entwicklung bei jemandem ist, der sich zu WG-Zeiten alle drei Monate für 9 Mark 90 (!) einen Dreierpack Zimmerpflanzen in der Papiertüte aus dem Baumarkt geholt hat, von dem jedenfalls, was ich erfolgreich selbst gepflanzt habe ganz abgesehen, macht unser Garten vieles selbst. 

Kein Scherz.

Der Läuseholunder hat sich beispielsweise von alleine ausgesamt. Logisch. Schließlich hätte ihn  n i e m a n d  freiwillig an die äußere Ecke einer alten Garage IN EINE PFLASTERFUGE gesetzt, wo er weder genug Erde und somit Wasser hat, was den Läusebefall erklärt, noch Platz, was wiederum erklärt, weswegen man das Garagentor nicht mehr öffnen kann. 

Manchmal entdecke ich, entzückt, an neuen Stellen in unserem Garten Akeleien oder Veilchen, die sich selbst verbreitet haben, Traubenhyazinthen und Tulpen im Frühjahr, die sich wundersam vermehrten oder Margeriten, die ich so mag, dass sie meinethalben auch den ganzen Garten "befallen" dürften.

Natürlich wächst hier auch ein Haufen Zeug, bei dem ich weniger laut "Hurra" rufe. Springkraut, zum Beispiel oder Disteln. Auch Giersch wuchert, als gäbe es kein Morgen. Letzteren allerdings kann man prima für Kränze verwenden oder, was ich nächstes Jahr endlich versuchen werde, Pesto aus den jungen Blättern machen. Eigentlich reiße ich aber auch anderes nicht automatisch aus. Denn so mir gefällt, wie es blüht, stelle ich es in eine Vase und dekoriere damit den Gartentisch. Mit Unkraut also. Hallo-o.

Eine wilde Pflaume ist ebenfalls ganz von alleine in unserem Garten eingezogen. Schneidet man sie nicht alle zwei Jahre radikalst zurück, wird sie höher als das Haus. Es ist ihr auch wurscht, ob es von Februar bis Mai regnet, wenn sie duftend blühen will, blüht sie duftend. Und selbst wenn in diesem Zeitraum nur eine einzige regenbeschirmte Biene um sie schwirrt, trägt sie dennoch im Sommer Hunderte von Früchten. Ein Hund, die Pflaume.

Die familienfreundlichen Instagram-Follower wissen es bereits - gestern habe ich Marmelade aus den wilden Pflaumen gemacht. Mit Lavendel und Vanille.

Pflaumenmarmelade mit Lavendelblüten und Vanillemark, genauer gesagt. 

Augen zu, Mund auf!









Für die Marmelade braucht man:


2 Kilo Pflaumen
2 Pakete Gelierzucker 2:1
2 Vanilleschoten
Blüten von ca. 15 Lavendels



Und so hab ichs gemacht:


Die Pflaumen entsteinen. 

Die Küchenarbeitsplatte und die dahinterliegende Wand von Saftspritzern befreien.

Die Pflaumen zusammen mit dem Mark der Vanilleschoten und den Lavendelblüten in einem großen Topf pürieren. (Der Topf, liebe Freunde der gepflegten Küchenunterhaltung, muss mindestens, MINDESTENS doppelt so groß sein, wie die Menge der zu verarbeitenden Früchte. Glaubt das einfach einer schon alles, ALLES erlebt habenden Marmeladenmacherin.)

Den Gelierzucker dazugeben und nach Packungsanweisung kochen.

Die Vanilleschoten habe ich mitgekocht und sie vor dem Abfüllen der Marmelade in sehr saubere Twist-Off-Gläser entfernt.

Die Marmelade ist trotz zuckersüsser Original-Früchte verarbeitet relativ sauer. Welche chemische Reaktion dem zugrunde liegt, will ich überhaupt nicht wissen. Ich mag sie nämlich trotzdem. 
Allerdings werde ich mit ihr alsbald auch die ein oder andere Backware füllen, weil ich mir beispielsweise Scones sagenhaft lecker damit vorstelle!






 
Das Schwierige an der Hundepflaume ist, dass selbst die Mädchen mit ihrem zu Taschengeldaufbesserungszwecken installierten Straßenstand, 8 Gläser Marmelade und immer eine volle Schale davon auf dem Tisch ihr Fruchtvorkommen nicht im geringsten dezimieren konnten.

Mit anderen Worten: WAS MACH ICH NUR MIT DEN ANDEREN TAUSEND PFLAUMEN?

Und, viel wichtiger, mit den Babypflaumenbäumen, die überall in unserem Garten wachsen? Ich schwöre, dass jeder ausgespuckte Kern, ganz wildesüberlebenskünstlerobstgemäß, über Nacht aufgeht und ich, passe ich nicht auf und reiße die Schösslinge rechtzeitig heraus, am Ende des Jahres durch einen Pflaumenwald wandeln kann!

Ich würd euch ja einladen, zum Pfücken und Graben. Aber ich hab den Garten nicht aufgeräumt. ;)





Alle(s) Liebe -
San







Kommentare:

Sabrina Noesch hat gesagt…

Liebe San, ach Du versüßt mir den Morgen. Jetzt habe ich Hunger:) Lg Sabrina

Dania hat gesagt…

mmmh, fein klingt die wilde marmelade!
lieben gruß
dania

Nina hat gesagt…

Bekommt man gleich Hunger und beim lesen läuft im Mund schon alles zusammen :-) Liebe Grüße
P.s. Die Bilder dazu sehen wirklich toll aus

Familienfreundlich hat gesagt…

Du Liebe! :) Sei gedrückt!

Familienfreundlich hat gesagt…

So schmeckt sie auch! Und sauer! ;) <3

Familienfreundlich hat gesagt…

Dankeschön! Das freut mich sehr! <3

Rike hat gesagt…

Ach Du Wundervolle, was hast Du wieder gezaubert! Seit Monaten schiebe ich gefrorene Pfaumenklumpen im Fost hin und her und wollte sie schon wegschmeißen! Jetzt haben sie dank Dir eine zweite Karriere vor sich. Wenns nicht schmeckt, schick ich Dir einfach die zwanzig Gläser...

Haus Nummer Dreizehn hat gesagt…

Toll, das hört sich für mich köstlich an... ich liebe es, wenn die Marmelade nicht so süß ist! Genau mein Geschmack. Liebe Grüße Dir! Tini

Wohnakzent hat gesagt…

Liebe San,
so ein familienfreundlicher Gute-Laune Post :-) Ich liebe Pflaumenmarmelade, leider bin ich
hier die einzige, die Pflaumen mag,
schade aber auch ;-)Dein Instagram
Profil habe ich mir auch schon angeschaut, gefällt mir seeehr gut.
Bislang bin ich nur halb bei IG
angemeldet ;-) Geht nicht ?! Doch
geht, bei mir geht alles, auch eine
halbe Anmeldung.Vielleicht schaffe ich ja auch mal den Rest
und lege mir auch ein Profil zu,
mal sehen :-) Ich wünsche Dir den
schönsten Abend überhaupt.
Liebe Grüße
Christina
P.S.Dein Küchenregal inkl. Wandtattoo sieht knallermäßig aus,
genau meins ;-)