Samstag, 21. Juni 2014

Una coperta da picnic italiano!









Merke. Das Wichtigste für einen Italienurlaub ist Tape, damit einem die Scheibe nicht runterfällt.


Hä?


Okeh. Ich formuliere um. 


Das wichtigste in einen Selbstanreise-Italienurlaub mitzunehmende Utensil ist Gewebeband, die Musiker unter euch kennen Gaffa-Tape, um damit aber keine Mikrofon-Kabel, sondern sinkende Fensterscheiben festzukleben.


HÄ??!


Na gu-hut. Also:


Vor drei Jahren fuhren wir in die Ferien nach Italien. Mit wunderbaren Freunden haben wir in den Marken ein Haus gemietet, drei Kilometer mitmountainbikesgefüllteanhänger-fiese Serpentinen bergauf, das Haus ganz am oberen Ende, umrahmt vom Nichts, nur Wiesen, Rehe, Trüffelschweine und ein sechzehn Meter langer Pool.

In diesen Ferien ist der Seilzug des elektrischen Fensterhebers auf der Beifahrerseite unseres VW-Busses gerissen. Nach über sechzig (SECHZIG.) Werkstatteinträgen dieses "Fahr"zeugs hat uns das nicht verwunde(r)t, nur belehrt. Darüber, dass es gut ist, auf Reisen immer Gaffa-Tape mit dabei zu haben, egal, wohin man unterwegs ist, denn wer weiss schon, wofür man es braucht. Eventuell schließlich und womöglich auch dafür, eine Autofensterscheibe sicher am Türrahmen zu befestigen, ist man nicht vorher beim normalen Betätigen des Fensterhebers derart vom "KNACKCHR"-Geräusch des Seilreißens und dem anschließend äusserst zügigen Beginn des Auf-Nimmerwiedersehen-Fallens der Scheibe IN die Tür völlig überrumpelt worden und konnte sie reaktionsschnell an ebendiesem hindern. 

Oh, gutes Gaffa-Tape!

Anmerkung: einer meiner liebsten Freundinnen standen jahrelang die Enden von Kabelbindern aus der hinteren Hosentasche. Ich kann nicht in ausreichend huldigenden Worten formulieren, wie praktisch die Dinger in so mancher Alltagssituation gewesen sind! 

Die vergangenen Tage waren wir wieder in Italien. 

Mit fünf grandiosen Menschen haben wir erstmals auf einer am Meer gelegenen Campinganlage in der Toskana, unterhalb Pisas und ungefähr auf der Höhe von Siena, zwei benachbarte Lodge-Zelte gemietet. Glamping muss man generell wohl mögen, aber trotz des folgenden Anekdötchens war das einer der entspanntesten und schönsten Urlaube, die ich je verbringen durfte!

Während eines Ausflugs ins Landesinnere musste ich ein paar Kilometer unter Volterra wegen eines immens serpentinen-inkompatiblen Kleinsten anhalten. Beim erneuten Losfahren machte es KNACKNALLCK: Der Seilzug des elektrischen Fensterhebers war gerissen. Schon wieder! Während ich also mit beiden Händen die Scheibe festhielt, kramte mein Mann im Auto - um festzustellen, dass wir das Gaffa-Tape zu Hause gelassen hatten! Weil es diesmal nicht die Beifahrer-, sondern dummerweise die Fahrerseite betroffen hatte, fuhr mein Mann das letzte Stück Serpentinen nach Volterra weiter, den linken Unterarm gegen ein sich der Schwerkraft hingeben wollendes Stück Glas pressend, den Zeigefinger zwischen Scheibe und Verkleidung (Au-a.).

In einem Supermarkt kaufte er Paketband und damit machten wir die Fensterscheibe unseres Dreckskarrens Multivans am Türrahmen fest. Überlegend, ob wir eine Werkstatt ansteuern (Ich übte bereits "Dov´è un´autofficina?"...), oder es darauf anlegen sollten, dass der Bus in Siena geklaut wird (Dann wär er wenigstens endlich weg!), entschieden wir uns dafür, weiter und derart verklebt auch bis nach Hause zu fahren. 

Die Lacher der Angestellten an den Mautstellen waren uns so gewiss: nicht durch das Fenster, sondern durch den Türspalt, quasi um die Kurve, das Geld in die Kabinen gereicht zu bekommen.

Merke erneut: das wichtigste für einen Selbstanreiseurlaub nach Italien auf Vorhandensein zu kontrollierende Utensil ist Gaffa-Tape! 

Was hingegen sehr wohl mitkam, in unsere Ferien, waren zwei Picknickdecken. Die hatte ich in den beiden Tagen vor der Abfahrt genäht - eine für uns und eine als Geschenk für unsere Freunde.

Ich bemühe mich und schildere so gut wie irgend möglich, wie ich das gemacht habe. Näher wird man auf Familienfreundlich einer Nähanleitung nicht kommen, fürchte ich!




Was man dazu braucht:


Baumwollstoff
Bügelvlies
Futter (z. B. eine Decke)
Wachstuch




Und so ungefähr hab ich das gemacht:


Jeder hat eine Fleecedecke vom Schweden daheim. Weil die nach 20 Mal waschen nicht schöner geworden ist, kann man sie locker als Futter für die Picknickdecke verwenden. Eventuell liegen auch diverse, verfilzte Wolldecken nicht alleine auf Dachböden Süddeutschlands. Man hat schließlich schon von Leuten gehört, die Waschanleitungen ignoriert und 50€-teure-Decken mit einem Wollanteil von 80% bei 40 Grad in die Maschine gesteckt haben! 

Mit dem Futter jedenfalls ist das Maß für die Picknickdecke festgelegt. Meine misst fertig 120 mal 145 cm.


1. Man schneidet sich den Baumwollstoff in der entsprechenden Größe zurecht und 

2. bügelt das Vlies flächendeckend auf.  -- Theoretisch könnte man wohl auch (teures) Volumenvlies verwenden, dann fiele die Futterdecke weg. -- 

3. Am besten breitet man den so verstärkten Baumwollstoff auf dem Boden aus.

4. Jetzt zieht man das Papier vom Vlies, legt die Decke passgenau darauf und steckt sie eventuell an den Rändern fest.

5. Mit der Hilfe eines Geschirrtuchs als Dämpfer wird die Fleecedecke daraufhin auf den Stoff gebügelt.

6. Man wendet das Ganze und bügelt auch von der Baumwollseite aus noch einmal über die komplette Decke.

7. Wachstuch wird in der gleichen Größe wie der jetzt mit der Fleecedecke gepolsterte Oberstoff zurechtgeschnitten.

8. Die beiden Teile werden genau aufeinandergelegt und mit Stecknadeln fixiert. Dabei sieht die "schöne" Seite des Wachstuches zu einem und der Oberstoff liegt mit dem "Fleecegesicht" zum Künstler ;) darauf. Mit anderen Worten: rechts auf rechts.

9. Ich habe noch Bänder zum Verknoten der fertigen und eingerollten Picknickdecke anbringen wollen.

Die andersfarbigen, am Ende 70 cm langen Bänder habe ich oben mit einem Überstand von zwei Zentimetern mittig zwischen die beiden Schichten ins Innere gelegt, ebenfalls festgesteckt und später mit vernäht. 

10. Als nächstes näht man einfach außenrum. Nicht vergessen: an der unteren Kante der Picknickdecke bleibt ein etwa 40 cm langes Stück offen, um die Decke wenden zu können.

11. Mit der Zickzackschere schneidet man die Nahtzugaben und die Ecken der Decke ab. Versäubern ist eigentlich nicht nötig.

12. Die Decke wird gewendet und die Öffnung zugenäht.

13. Zum Fixieren der beiden Lagen wird die Decke zuletzt noch einmal rundherum abgenäht. Dazu rutscht man ca. 3 cm von den Rändern zur Mitte hin und näht gerade oder im Zickzackstich.

14. Am Ende hat man zwar Rückenschmerzen, freut sich aber wie ein Schnitzel darüber, zwei so derart grandiose Picknickdecken produziert zu haben.

15. Man hat keine Ahnung, ob das semiverzweifelte Anleitungskauderwelsch überhaupt auch nur ein Mensch verstehen und nachvollziehen kann.

16. Allerdings war man stets bemüht.


Das Picknickdecken-Prinzip wäre auch für eine selbstgemachte Wickelunterlage passend. Allerdings würde ich dann das Wachstuch weglassen und ein zweites Stück Baumwollstoff verwenden, einfach, weil sich das besser waschen lässt. Die Fleecedecke im Inneren ist wasserabweisend genug.



Oben sowie nachfolgend liegt die Picknickdecke übrigens an verschiedenen Plätzen: neben unserem Lodge-Zelt im Gras, auf der Kommode im Esszimmer, am Strand von Marina di Bibbona und als Polster auf einem italienischen Liegestuhl. Wer mag, rät.










WENN IHR EUCH GANZ FESTE BEEILT, SCHAFFT IHR DAS NOCH ZUM PUBLIC VIEWING HEUT ABEND UM NEUN! ;)




Im Rückreisegepäck war übrigens nicht alleine die Rolle italienisches Paketklebeband neu, sondern auch Olivenöl und Kaffee und eine Tonne an Fundstücken - Treibholz und Steine und vor allem Ideen! Ich schwappe über vor Ideen! Und deshalb freu ich mich wie bekloppt auf die nächsten Wochen hier! Vielleicht freut ihr euch ja mit!






Alle(s) Liebe -
San







Ein dickes PS:

Bekanntermaßen bin ich ein ausgesprochen schlechter Packer. Ich  h a s s e  Packen. Nichts stresst mich mehr. Gerne könnte man das in diesem für andere sehr amüsanten Artikel nachlesen: Na servus. Machs gut. 

Jedenfalls war es mir emotional und zeitlich deshalb nicht möglich, auf die Kommentare des Rosenzuckerposts vor den Pfingstferien zu antworten. Auch nicht während der Ferien. Die waren nämlich zu fast 99% medienfrei.

Nur soviel: mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bin ich die frohste Bloggerin diesseits von Italien. Hat Familienfreundlich doch Leserinnen, die schreiben, was sie geschrieben haben und die es mit jedem einzelnen Buchstaben schafften, mirs SOGAR WÄHREND DER PACKZEREMONIE und sowieso nachhaltig ganz warm ums Herz werden zu lassen.   D A N K E !

















Kommentare:

Dekozauber Grit Kolodziej hat gesagt…

Ja, du Liebe, ich kann deine Anleitung gut nachvollziehen und werde mich alsbald ans Werk machen, denn für uns geht es in ein paar Wochen auch per Selbstanreisekleinbus diesmal nach Südfrankreich. Vielen Dank auch für die nette Unterhaltung am Sonntagvormittag. Iss besser als jedes Fernsehprogramm!
Liebe Grüße
Grit

Wolke Sieben hat gesagt…

Du bist wieder da! Eeeendlich!! Und nachdem ich über die Fensterscheibe gelacht und Deine Picknickdecke bewundert habe (ich hätte diverse Fleecedecken hier..) schlug mein Herz bei einem Bild kurz schneller, um kurz danach einem "ach, was wunder ich mich?!" zu weichen, denn wir lesen/lasen offensichtlich das gleiche Buch ;)! Bin auf Seite 155. Und das Grandiose ist, dass ich beim Lesen an Dich gedacht habe, weil es irgendwie so zu Dir passt. <3 Also wenn Dir jetzt nicht wieder warm um's Herz ist, weiß ich auch nicht. Ich drück Dich und wirbel Dich durch die Luft! Rieke

die Gräfin hat gesagt…

marina di bibbona. der strand mit den schwarzen steinen :-) kenn ich doch, fahren wir doch auch jedes jahr im herbst hin... http://michelegraf.blogspot.ch/search/label/Italien
und auch dieses jahr wieder :-)

Familienfreundlich hat gesagt…

Südfrankreich! NIMM MICH MIIIIIT!!!!!!! <3

Familienfreundlich hat gesagt…

Ich näh auch die Decke für dich!! ;)))

Familienfreundlich hat gesagt…

Du KNALLERFRAU!! :)
Hach, so ein schönes Buch! Ich hatte vier dabei und hab das und "Das Lavendelzimmer" (Schließe nie, nie, NIE vom Cover auf den Inhalt!!) hab ich fertig gelesen, "Das Haus zur besonderen Verwendung" angefangen.
Vülleischt sollten wir Ferienbuchtippposts schreiben! <3 <3 <3

Familienfreundlich hat gesagt…

Michele! Ooooooohhhhh! Deine Fotos! Ich bin wieder dort!!! <3 Danke dafür!! <3