Mittwoch, 25. Juni 2014

Ein Ferientagebuch - Dokumentation nach Art des Hauses { DIY }









Von meinem Sohn gibt es 8 Babyalben. 8 Alben für die Zeit bis zu seinem 7. Lebensmonat.

Ich wiederhole mich kurz.

Vor 11 Jahren habe ich noch primär analog fotografiert und im ersten halben Jahr nach der Geburt meines Sohnes 62 Filme mit je 36 Aufnahmen von ihm gemacht. 99 Prozent dieser Bilder habe ich in Alben geklebt. In 8 Alben, wie gesagt. Ein Portrait vom schlafenden Sohn neben dem Portrait vom schlafenden Sohn aus der gleichen Perspektive, nur mit einer Veränderung des Bildausschnittes um sagenhafte 2 Millimeter, neben einem Portrait des schlafenden Sohnes aus der gleichen Perspektive und mit dem gleichen Bildausschnitt, nur mit einem sich im Schlaf um ein Mü bewegt habenden Fäustchens, neben einem Bild vom schlafenden Sohn mit...

Ihr wisst Bescheid.

Nach diesen ersten 8 Alben habe ich die Bilder von meinem Kind in Kartons gesteckt, die einzelnen Filme nummeriert, auf daß ich sie einkleben werde, wenn Zeit ist.

Ich habe viele Bilder von meinem Sohn in viele Kartons gesteckt.

Auch die Großeltern dieses wundervollen Kindes wurden stets mit Fotos bedacht. Mit Abzügen und gerahmt, nicht nur zu Weihnachten, sondern auch sonst.

Mein Mann merkte ein einziges Mal zart an, ob es denn nicht reiche, ich würde, nur als Vorschlag, sagenwirmal, alle zwei Wochen einen Film machen? Und nur hin und wieder Bilder in 13 mal 18 verschenken? Und dann vielleicht nur drei, vier? Nicht 19? Es sei eventuell sonst auf Dauer finanziell gesehen... 

Dass wir zwei weitere gemeinsame Kinder haben ist der beste Beweis dafür, dass ich ihn trotz dieser eindeutigen und so harschen Kritik an meinem hormonüberfluteten Erstlingsmutter-Alter-Ego am Leben ließ.

Von meiner Tochter gibt es ein Babyalbum. Und Kartons. Und Geburtstagsalben.

Das Kleinste hat kein eigenes Babyalbum. Auch keine Kartons. Ich fürchte wirklich, nicht einmal ein einziges, mickriges Geburtstagsalbum.

Auch die Quantität andersartig themenbezogener Alben reduzierte sich im Laufe der Zeit auf ein Nichts. Kann ich die ersten Familien-Weihnachten noch mit der Hand erblättern, horte ich die bildhaften Dokumente der weiteren lediglich auf Festplatten.

Denn selbstverständlich habe ich auch nach der Umstellung auf die digitale Fotografie weiterhin tausende von Bildern von meinen Kindern und Familienfesten gemacht, aber nicht ein einziges davon abziehen lassen oder sogar in ein Album geklebt. (Fotoalben online zu erstellen, macht mich verrückt. Das mache ich nur, wenn ich sehr, sehr dringend muss. Etwa, weil ich eine Geschenkidee hab.) Nur hin und wieder hab ich einzelne davon vergrößern lassen und gerahmt. Zu wenige, wenn man es genau bedenkt und das auch schon lange nicht mehr.

Material für nicht nur 8, sondern wahrscheinlich für 800 Alben dümpelt also auf einem Terrabyte externer Festplatte vor sich hin.

Auch unsere Urlaube wurden nicht länger von mir ins, gleichsam, Haptische übertragen. 

Wenigstens ein ganz kleines Stück des letzten Urlaubs ist aber zum Anfassen konserviert. Ich hatte in Italien ein kleines Heftchen dabei und daraus während unseres Aufenthalts mit den Kindern ein Ferientagebuch gemacht. Wennse ma kucken wolln?







Jeden Tag haben wir beispielsweise Flyer, Verpackungsstückchen, Kassenbons, das Tagesgeschehen und Begebenheiten, kleine Schneckenhäuser, Strandsand und vieles andere mehr in das Tagebuch eingetragen, eingeklebt oder Bilder zu unseren Erlebnissen gemalt.

Mitgenommen habe ich auch in den vergangenen Jahren immer eine Menge Erinnerungsstücke. Allerdings waren diese Erinnerungsstücke dann nach einigen Wochen im Weg und sowieso wusste keiner mehr etwas mit diesem Kassenbon oder jener Serviette anzufangen oder konnte noch genau darüber Auskunft geben, was wir eigentlich an Tag 4 von 12 gemacht haben. 

Dass wir in den Ferien in der Toskana gefühlt drei Klimazonen zwischen dem Campingplatz und dem Meer hatten und der Weg an den Strand durch ein verstaubtes, fast magisches Pinienwäldchen führte, das auch gut als Filmkulisse hätte herhalten können, wird Dank des Tagebuchs in unseren Köpfen bleiben.











Die Utensilien für das Heftchen packte ich in einen vergleichsweise winzigen Karton, der zwischen all dem anderen Zeug in unserem Kofferraum überhauptst nicht weiter auffiel. Ehrlichwahr!









Das Ferientagebuch ist inhaltlich im Original bei Weitem nicht so langweilig, wie es hier erscheinen mag - aber das Weglassen der Vornamen und privaterer Details reduziert die Menge öffentlich darzureichender Motive immens. ;)









Man kann die Idee des Ferientagebuchs auch ausbauen. Zu einem Sommerferienerinnerungsbuch zum Beispiel, mit allem, was man in den sechs Wochen unternommen hat. Es muss ja nicht immer ein Urlaub sein.

Vielleicht baue ich unser Ferientagebuch auch aus. Mit echten Abzügen von der externen Festplatte.

Hust.







Alle(s) Liebe -
San










Kommentare:

yvette [engel+banditen] hat gesagt…

liebe san,

herrlich! hab sehr gelacht, danke!
genauso ist es bei uns mit dem 1. kind und dem 2. kind und dem 3. kind....
wir haben sogar ein jahr verloren, weil eine festplatte geschrottet ist, schnief!!! also bitte immer alles doppelt und 3fach sichern, ich spreche aus schlechter erfahrung.
mit den alben haben wir dann so geregelt: meine mama liebt zum glück scrapbooking, so dass sie nr 2 und 3 zumindest ein babyalbum gemacht hat :-)
und ferientagebücher haben wir auch gehabt letztes jahr (und die neuen für dieses liegen schon bereit), bei uns allerdings eins für jedes kind. schreib ich demnächst auch mal drüber.

liebe feriengrüße (bei uns noch 10 tage bis dahin), yvette

Das Hasenhäuschen hat gesagt…

Hallo San,
was für eine nette Idee!!! Die klau ich Dir für unsere Ferien!! Mir geht es wie Dir…und ich HABE SO EIN SCHLECHTES GEWISSEN! Von meiner Tochter gibt es 10 Fotoalben für die ersten 4 Jahre (ca.) Mein Sohn hat ein Babyalbum. Der Arme. Alles andere schlummert auf der Festplatte. Und ich wollte doch immer mal …..ausdrucken, einkleben, blättern…..vielleicht im Winter??? Wenn mehr Zeit ist???
Liebe Grüße, Diana

Tausendschön und Rosenrot hat gesagt…

Liebe San,
zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich für KEINES meiner Kinder ein Album oder Buch gemacht habe, es wäre jetzt aber zu ausufernd, das näher zu erklären. Aber ein Reisetagebuch gehört bei uns seit Menschengedenken zum festen Ritual. Das wird vorher gemeinsam gekauft, da geht sogar mein Mann mal mit shoppen und ich habe genauso wie Du immer ein kleines Kästchen mit Kleber, Masking Tape, verschiedenen Stiften und Schere dabei. Und soll ich Dir was sagen? auf lange Sicht sind sie echt eine klasse Sache, zumindest stürzt sich mein Ältester, der seit ein paar Jahren die große Sommerreise nicht mehr mit macht, jedesmal sofort nach unserer Rückkehr auf das Tagebuch.
Ganz liebe Grüße,
Karin

Lieblingsplatz hat gesagt…

ich hab meinem schatz vor einem jahrzehnt (wirklich wahr, ich alte frau) zum ersten jahrestag einen bilderrahmen mit sämtlichen sachen aus unserem ersten gemeinsamen (liebes-)jahr gemacht. also mit konzertkarten, kinokarten, restaurantrechnungen bla bla bla. steht unten im keller und ist meiner meinung nach auch 'ne tolle sache/geschenk gewesen. :) mei, i mog sowas. :))
lg tine

Anonym hat gesagt…

Huhu,
also mit den analogen beim ersten Kind war bei uns genauso, 100 fast gleiche Bilder eingeklebt.... dann folgten die Fotobücher, jetzt mach ich nur noch Fotobücher, bin auch auf dem laufenden, waren im Urlaub an Pfingsten und habe heute schon angefangen, allerdings ist mir aufgefallen, unser dritter wird im Dezember 3 und ich habe in diesen jahren gerade mal 3 bilder für uns entwickelt, d.h. in der Hand gehalten. schon komisch.
LG Tascha

Meermond hat gesagt…

So sehr ich die moderne Technik liebe -schnell, viel, genial- , so sehr hänge ich am liebevoll gestalteten Babybuch meines Großen. Die Zwillinge sind auch bei uns nur ein riesiger Speicherplatz. Auf dem Computer des wundervollen großen schwarzen Manns. Und mir bleiben nur berührende Erinnerungen.
Sehr schade eigentlich!
Du hast sehr Recht mit deinen Worten. Ich sollte mich etwas mehr bemühen.
♥Gruß

freuleinmimi hat gesagt…

Ein wunderbares Album .... da hat man Spass beim Machen und später beim Anschauen :-))))
Schöner Sonntag.
Liebgruss, mimi