Donnerstag, 15. Mai 2014

Ich bin genug.









 

Die drei Fragen vom letzten Post wollte ich selbst auch beantworten. Wär ja fies, sonst, nicht? Eins und drei fiel mir dabei vergleichsweise leicht:

1. Das Leben ist va-rrückt!

3. Ich wär gern viel mutiger.

Die zweite Frage hingegen war doof: "Ich bin ...". Ich bin? Ich bin. Klar bin ich. Und wie ich bin! Aber sich auf eine Eigenschaft festlegen? Wer denkt sich denn  s o w a s  aus! Und wer klaut "Wer denkt sich denn sowas aus" dann auch noch aus einem Kommentar! Einfach so!

Chapeau jedenfalls vor euch, die ihr geantwortet und mirs damit so warm ums Herz gemacht habt! Ihr seid wunderbar. Allesamt.

Aber was bin ich?

Ich bin gesund. Zuerst. Aber nicht nur. Denn ich bin auch witzig und eloquent. Ich bin großzügig und bedacht, ich bin launisch, entschieden und fröhlich. Ich bin laut. Ich bin klug. Ich bin unsicher. Ich bin müde. Ich bin nicht so belesen, wie ich wollte, aber musikalisch und impulsiv, ich bin genervt, unorganisiert, dankbar und fordernd.

Ich bin widersprüchlich.

Ich bin freundlich, kritisch, stur, liebenswert, stolz und bestimmt. Ich bin belastbar. Ich bin ironisch und trotzig, ich bin aufbrausend, vorausschauend, eitel und leidenschaftlich. Ich bin spontan, ich bin verletzlich, ich bin saucool und gleichzeitig gluckig.

Ich bin begabt, ich bin voller Ideen, ich bin neugierig, ängstlich und einsichtig, ich bin verlegen und gerne alleine.

Ich bin gut.

Ich bin strahlend, ich bin verwirrt und überfordert. Ich bin hilfsbereit und kommunikativ, ich bin subtil, liebevoll, ungeduldig, nachdenklich und ungerecht. Ich bin leise und mitfühlend, ich bin stark und erfinderisch. Ich bin weiblich und flexibel und sportlich und diplomatisch und ich bin ehrlich.

Ich bin undiszipliniert und kindisch, ich bin beeinflußbar und zuversichtlich und aus-ge-spro-chen leicht zu erheitern. Ich bin herzlich und offen und fürsorglich und verfroren. Vor allem heute.

Mein lieber Scholli. Was man alles sein kann, so, als einer. Und dabei bin ich doch Mutter. 

...

Hä?

Nix "Hä?". Das, liebe Freunde endlos aneinandergereihter Adjektive, ist nämlich der Punkt.

Grade hab ichs gelesen: ich bin ganz schön vieles. Zwar keine Eins mit Stern, aber in der Gesamtkomposition zumindest nicht übel.

Leider vergesse ich darauf manchmal. Ich vergesse, was ich bin, was ich kann und was ich leiste. Ich vergesse, dass das gut ist. Ich vergesse es, weil ich mich so oft verliere im Alltag, in den Dingen, an die ich zu denken, die ich zu erledigen und zu organisieren habe.

Ich vergesse das Gute an mir.

Und dann steh ich da und find mich doof. Und unzulänglich. Und nicht ausreichend befähigt. Das Gefühl beschleicht mich, dass nichts von dem, was ich mache, auch nur ansatzweise richtig ist. Ständig läuft mir die Zeit davon und manchmal weiß ich keine Antwort. Und sicher betrifft das nicht die googlebaren Fragen, etwa die meiner Tochter, ob die Menschheit nur ohne Bienen nicht überleben könne, oder ob das mit Hummeln genauso sei.

Ich vergesse das Gute an mir.

Weil ich manchmal so ausgelaugt bin und so erschöpft. So erschöpft, dass ich nicht mal mehr sprechen mag. Oder so müde, dass ich verschlafe, morgens. Was besonders dann besonders ungünstig ist, wenn das Kind pünktlich bei seiner Erstkommunion erscheinen soll.

Dann vergesse ich es. Das Gute an mir.

Schade eigentlich.

Ich bin nämlich gar nicht so schlecht. Und nicht so unzulänglich.

Denn ich kriegs immer hin. Manchmal ist der Weg vielleicht sehr holprig, aber ich kriegs hin. Ich denke, ich bin eine gute Mutter. Eine, die manchmal brüllt, bis ihr der Hals weh tut, die ihre Kinder aber mit ihrem Leben verteidigen würde, käms darauf an.

Ich hab vor, mich selbst wieder öfter daran zu erinnern. Daran, was ich bin und was ich kann und was ich leiste.

Daran, dass das genug ist.

Daran, dass  i c h  genug bin.


Wir sind genug.






Alle(s) Liebe.
San






Kommentare:

Constanze hat gesagt…

Wow, danke

Anja Jorre hat gesagt…

Oh JA! Du sprichst mir aus dem Herzen!!!! Vielen Dank für diese schönen Gedanken.
Anja

Gerstner Katharina hat gesagt…

Gänsehaut und Tränchen roll...
Das ist wunderbar geschrieben, geht ins Herz und stimmt einfach, liebe San!!!
Ich denke, wir Frauen neigen leider allgemein mehr dazu, immer das Gefühl zu haben, nicht "genug, gut genug..." sein.
Schön, wie Du das geschrieben hast, ich werde mir auch einmal Gedanken machen, wie ich bin. Ehrlich gesagt, tue ich mich mit guten Dingen über mich immer sehr schwer, ich finde schneller meine Fehler als alles andere!
Zauberhaften Tag wünsche ich Dir Du liebe Fee :-)

Familienfreundlich hat gesagt…

Ich danke d i r . <3

Familienfreundlich hat gesagt…

Siehste. Das hab ich gemeint.
Wahrscheinlich machen Menschen mit viel Gefühl das so. Ihre Unzulänglichkeiten schwerer zu bewerten als das, was sie grandios sein lässt.
Liebste Kathi, ich denke, man darf sich durchaus gut finden. Das bekundet keinesfalls Arroganz und bedeutet definitiv nicht, dass a l l e s ganz to-holl ist und man nicht vielleicht die eine oder andere Sache überdenken oder sogar verbessern könnte. Aber man soll sich, verdammtnocheins, auch mal selbst dafür auf die Schulter klopfen, was man immerzu stemmt und hinkriegt.
So. ;)
Ich drück dich und danke dir für deine schönen Worte!

Familienfreundlich hat gesagt…

Das find ich wunderbar!
Dankesosehr... <3

Andrea hat gesagt…

Hey, du hast so sehr meine Gedanken getroffen das ich gerade schmunzeln müsste, ich bin also nicht allein! Danke für deinen Ansatz!

Liebe Grüße, Andrea

Wohnakzent hat gesagt…

Liebe San,
Danke für diesen tollen Post :-)
Du hast mir damit ein Lächeln ins
Gesicht gezaubert, das schafft nicht
jeder ;-)))
Ich drück Dich
Liebe Grüße
Christina

Ina Kreativwelt hat gesagt…

Vielen Dank liebe San. Genau so isses. Mein neuer Motivationsspruch ab heute "ich bin genug"!

Dekozauber Grit Kolodziej hat gesagt…

Ach San, so schwermütige Kost...
Willkommen im Club, du bist nicht allein!
Liebe Grüße
Grit

Familienfreundlich hat gesagt…

Ich bin da noch was. Nämlich beschenkt. Und zwar mit euch. <3 Danke für euch!

Murel hat gesagt…

Danke für den super Text!!! Genau das hab ich Heute gebraucht! Ja! Wir sind genug ;-) Vielleicht wären wir an manchen Tagen (so wie Heute) gerne mehr! aber dafür sind wir an anderen Tagen mehr als genug! ganz liebe Grüsse
Murel

Sandra bloggt hat gesagt…

Liebe San!
Das hast Du so schön geschrieben! Du bist toll. Auch, wenn ich Dich nicht persönlich kenne, weiß ich das. Als Mutter und als Mensch sowieso. Nicht perfekt, aber toll. Und das ist alles, was zählt. Perfekt ist langweilig, aber toll, toll ist obercool. Und gerade zur Kommunion verschlafen ist eine Erinnerung für's Leben. Pünktlich kann jeder. Das sagt Dir jetzt mal der Profi. Nicht zu spät zur Kommunion, aber zu spät und total verfeiert, ungekämmt und mit Alk-Fahne zum Danke-Gottesdienst am nächsten Tag ;)
Ich drück Dich
Sandra

Familienfreundlich hat gesagt…

<3

Familienfreundlich hat gesagt…

Jawoll!
Küsse! Viele! <3

Familienfreundlich hat gesagt…

Sowieso nicht! Ein Glück!! <3 :)

Familienfreundlich hat gesagt…

Gri-hit!!!!!!! <3 <3 <3

Familienfreundlich hat gesagt…

Zauberhafte Murel! Danke.so.sehr!! <3

Familienfreundlich hat gesagt…

Oh, und wie ich dich zurück-drück!!! :) <9 ;)