Donnerstag, 16. Januar 2014

Wie mich vertonte Kinderliteratur dazu bringt, Dinge zu tun, die ich nicht leiden kann.







Es gibt zwei bis 17 Dinge, so, ungefähr, die ich nicht mag.

Beispielsweise mag ich nicht, wenn mein Mann Recht hat. Oder wenn die Katze spuckt, schon bevor ich gefrühstückt hab. Ich kann nicht leiden, wenn die Kinder mich 39 Mal dasselbe fragen, obwohl ich beim ersten Mal bereits "Nein." gesagt hab.

Ich mag nicht, wenn mein Telefon nur 10 % Akku hat, wenn ich aus dem Haus gehe und nicht, wenn jemand aus meinem Glas trinkt. Nicht, überhaupt nicht, absolut gar nicht leiden kann ich Bügeln.

Bügeln find ich ausgesprochen doof. Mittlerweile ist das hinlänglich bekannt, denn das aufmerksame Blogleserlein (Diese Verniedlichung ist, an dieser Stelle, ein Zeichen höchsten Respekts und Wertschätzung sowie ein Ausdruck tief empfundener Zuneigung und der Freude über die Anwesenheit des / der Verniedlichten.) wird entweder sowieso hier oder über Brigitte MOM die Wäschegeschichte gelesen haben.

Die Wäschegeschichte "Das böse B-Wort", die bitte sehr, sehr gerne nachzulesen ist, wenngleich man eventuell vorher kurz die Nasen von kleinen Königstigern zu pudern hat, diese Wäschegeschichte also war eine Geschichte voller Missverständnisse. Öh. 

Nie wollte ich Tipps zur Vermeidung von Wäschebergen oder der Beseitigung derselben, weder durch Ignorieren noch durch Nacktheit, oder darüber aufgeklärt werden, dass ich einen Wäscheberg als solchen zu lieben hätte, schließlich seien meine Kinder gesund. Letzteres ist ohne Frage das größte mir widerfahrene Glück, sogar dreifaches, was mich nicht nur froh, sondern nicht messbar dankbar macht.

Allerdings wäre eine Geschichte wie "Das böse B-Wort" nicht veröffentlicht worden, wenn ich es bei Letztgenanntem belassen hätte - weil ich halt ein ebenso kaum messbares Vergnügen daran finde, über meine Kinder und den Wahnsinn um uns herum zu schreiben.

Und Wäsche, liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung, Wäsche gehört hier unbedingt dazu.

Was ich also sagen will, wiederholt: Bügeln sucks.

Aber eines Tages - kam Harry.

Und der las. Und siegte. Und zwar über meinen bügelnden Schweinehund, dem ich zur Beruhigung ein Hörbuch eingelegt hatte, das ein Geschenk für meinen Sohn zu dessen letztem Geburtstag war: "Die Eddie Dickens Trilogie" von Philip Ardagh.

Bestimmt hat Mr. Ardagh großartige Bücher geschrieben, aber Harry Rowohlt hat Unmögliches geschafft: noch nie, noch NIE zuvor habe ich mir mehr Bügelwäsche gewünscht!

575 Minuten Freude in drei (Nei-en!) Teilen, "Schlimmes Ende", "Furchterregende Darbietungen" und "Schlechte Nachrichten", gebannt auf neun CDs, übersetzt und gelesen vom grandiosen Harry Rowohlt. Wobei - Herr R. liest die Geschichte nicht, er IST die Geschichte!



Die Geschichte von Eddie, dessen Eltern an einer seltsamen Krankheit leiden. Ganz gelb sind sie, dazu merkwürdig wellig an den Rändern, außerdem stinken sie nach alten Wärmflaschen. Damit Eddie sich nicht ansteckt, wird er zu Verwandten geschickt. Pech für Eddie, dass es sich bei diesen Verwandten um seinen wahnsinnigen Onkel Jack und seine wahnsinnige Tante Maud handelt. Und, dass ihr Haus "Schlimmes Ende" heißt.


Kaum hat Eddie die Reise nach Schlimmes Ende überstanden, geht der Wahnsinn auch schon wieder los. Ein herrenloser Leichenwagen parkt eines schönen Morgens im Hof von Schlimmes Ende, und aus seiner Ladefläche ragt ein Sarg. "Merkwürdig!" finden Eddie und sein wahnsinniger Onkel Jack und wollen den Sarg zurück in den Wagen befördern. Doch eine Explosion vereitelt alle Versuche. Unter enormem Getöse schießt das hölzerne Ungetüm durch die Luft auf den Boden und öffnet sich. Heraus steigt: Der Große Zucchini...


Im dritten Teil der Eddie-Dickens-Trilogie begibt sich Eddie auf die Reise nach Nordamerika. Den Platz an Bord des Segelschiffs "Pompöses Schwein" teilt er sich mit einer Ladung verlorener Schuhe und einer Reihe sonderbarer Gestalten. Einige von ihnen sind schon aus den vergangenen Abenteuern Eddies bekannt. Zu allem Unglück wird Eddie dann auch noch in einem leckgeschlagenen Ruderboot ausgesetzt...

(Kursiv: Alles Klappentexte.)


Für lächerliche 130 Minuten hat meine Bügelwäsche ausgereicht. 130 Minuten aber, in denen ich grinsend lauschte, lauter stellte, Kapitel zurückswitchte, kommentierte, lachte und mich die ganze Zeit über freute, dass jemand derart skuril, bisweilen makaber, stets spannend und lustig, schlicht: grandiosest! schreiben kann, wie Philip Ardagh es kann und Harry Rowohlt aus "Eddie Dickens" kein Hörspiel, sondern ein Erlebnis gemacht hat, das selbst mich meine seit jeher zutiefst empfundene Abneigung gegen Bekleidungsglättung vergessen ließ.

Ein Auszug? Ein Auszug:

"Unterdessen in Eddies Elternhaus waren Eddies Eltern in Panik ausgebrochen. 

Der Grund dafür, dass die Dickensens in Panik ausgebrochen waren, war in dem Umstand zu suchen, dass ihr Haus in Flammen stand.

Nichts kann einem den Nachmittag so verderben, wie wenn Flammen aus sämtlichen Fenstern im Obergeschoss züngeln und an den Fensterrahmen lecken.

Dies war das neueste Ergebnis von Dr. Keks´ Behandlung ihres schrecklichen Gebrechens: Noch wärmere Wärmflaschen!"


Gnihihi. Toll, gell? Empfohlen wird Eddie für Kinder ab 34 9 Jahren, jedoch "Ein irrwitzig komisches, anarchisches Kinderbuch, auch für Erwachsene." Focus-Schule.



Am Wochenende werde ich bestimmt nicht bügeln, sondern mit den tollsten Frauen einer ebensolchen zuhören: Ina Müller. "Inas Nacht", beispielsweise, ist etwas, das ich SEHR WOHL leiden kann. Gut sogar. Vielleicht steck ich mir Eddie, Philip und Harry in die Tasche. Für den Fall, dass wir im Stau stehen. Ich schwöre, wir würden ihn lieben.





Alle(s) Liebe -
San





Kommentare:

Blümchenglück hat gesagt…

Hi, San!

Sooo schön geschrieben, dass ich am liebsten gleich lossausen würde,um mir dieses Hörbuch zu kaufen... zum Putzen... das mach ich am wenigsten gern im Haushalt. Wär mal interessant, so eine Liste der 2 bis 17 ungeliebtesten Arbeiten im Haushalt...

Sonnige Grüße von der Susi *Blümchenglück*

Ida von Katthult hat gesagt…

Liebe San, ich les so gerne bei Dir! Mehr wollte ich gar nicht sagen.
Danke für den Buchtipp. Und ich finde Bügeln sogar sooo toll, dass ich es nie (oder nur ganz selten mache), weil man sich ja nicht ständig belohnen kann und erstmal die lästige Arbeit erledigen muss...
Und die Wäscheberge im Keller fallen ja nicht so auf.
Liebe Grüße,
Ida
P.S.: Habe gestern auch etwas über Wäsche (unter anderem) geschrieben - schau mal rein :-)

Familienfreundlich hat gesagt…

Susi!! Was für eine geniale Idee!! :D Wenn ich darüber schreibe, nenne ich dich als Co-Autorin! :)
<3

Familienfreundlich hat gesagt…

:) :) :)
Hab schon kommentiert. Hihi.
<3

Wolke Sieben hat gesagt…

Hey mein Kleines ;)! Herrlich, hab mich beäumelt (schreibt man das so?)! Für Tipps, die mich zum Bü.. Bbbüge...Bügeln -hach, jetzt ist es raus- bringen könnten, bin ich immer offen! Klingt auf jeden Fall sehr amüsant und auch für meinen Großen geeignet (ab wann können Jungs eigentlich das Bügeln erlernen???). Liebste Grüße, Rieke

Familienfreundlich hat gesagt…

Wunderbare Rieke!
Das weiß ich nicht.
Und ich weiß es deswegen nicht, weil ich mich bislang nicht getraut habe, meinen Sohn außerhalb des Üblichen mit Haushalterischem zu betrauen, denn - mache ich es, will er kochen. Und wenn er kocht, muss ich jeden Tag Spiegelei essen.
Ein grandioses Spiegelei, zwar, aber täglich.
Sonst kocht er auch, aber dazu braucht er mich noch, weswegen wir zusammen kochen, was dann auch keine Erleichterung ist. Mit dem Bügeldings möchte ich das deshalb nur ungern versuchen...
;DDD
<3 Knutscha!!

Wohnliebe hat gesagt…

Liebe San,
herzlichen Dank für den Tipp. Ich hab das Ding gerade geshoppt und hoffe, dass die Hörbücher so schnell wie möglich ankommen. Damit ich auf dem Weg zur Arbeit jetzt demnächst ausgiebig unterhalten werde und zukünftig mit einem Lächeln zur Arbeit komme. Vielleicht steigert das ja meine Motivation. *lach*

Liebste Grüße,
Miri

Sandra bloggt hat gesagt…

Liebe San!
Was habe ich ein Glück, dass ich ein Audible-Abo habe. Teil 1 und 2 sind direkt mal bestellt. Juhu! Das werde ich schön mit den Jungs hören, vielleicht beim Malen oder Basteln. Ich bin ein absoluter Hörbuch-Junkie geworden - bügeln, aufräumen, kochen, stricken, malen, man kann ja fast immer Hörbuch hören...... Freu mich auf Deine Empfehlung und bin gespannt!
Vielen Dank und Kuss von
Sandra