Mittwoch, 4. Dezember 2013

Bratäpfel und andere Katas... Liebenswürdigkeiten






Die Küche der WG, die ich seinerzeit, noch viel jünger und noch viel wilder, zusammen mit meiner Freundin bezog, war nicht möbliert. Aus unseren vorherigen Wohnungen, den Kellern und Dachböden unserer Eltern und von Gebrauchtwarenmärkten suchten wir uns deshalb dafür die adäquatesten und besten Stücke zusammen. 

"Beste Stücke" ist an dieser Stelle allerdings ein äußerst dehnbarer Begriff. Noch immer erinnere ich mich nämlich sehr gerne daran, was damals nicht nur bei den WG-Mitgliedern selbst, sondern auch bei ALLEN Besuchern eine so regelmäßige wie typische Hand- und sogar Ganzkörperbewegung war:

Nach ein paar Minuten des Sitzens am wahnsinnig langen, aber nicht besonders tiefen Küchentisch auf einem der Gebrauchtwarenmarktstühle seinen Hintern ein Stückchen zu lupfen, mit den Handflächen links und rechts der Sitzfläche zweimal kräftig gegen das sich langsam trennende Holz zu schlagen, auf dass sich die Beschaffenheit des Möbels, bzw. die seiner Beine, vom buchstäblichen "aus dem Leim gehend" wieder in ein hoffnungsvolles "geht doch noch eine Weile" ändere.

Den Herd und die Edelstahlspüle haben wir ebenfalls gebraucht gekauft. Für die Spüle hat meine Freundin dann höchstselbst eine Küchenzeile gebaut. Küchenzeile... Hm.

Vielleicht ist "Küchenzeile" nicht der richtige Begriff für das unlackierte, dünne Brett aus dem Baumarkt, in den meine Freundin für das Becken einen Ausschnitt gesägt, es mit Beinen aus Vierkanthölzern mit Metallwinkeln verschraubt und sogar einer Verlängerung bis zur Küchenaußenwand NEBST zusätzlichem, mittigem Ablageregalboden versehen hat. Eine schreinerische Meisterleistung, die uns ein Provisorium einbrachte, das zwar bei Berührung lustig gewackelt hat, aber in seiner Art einzigartig und ausgesprochen liebenswert war, dennoch aber beizeiten durch echte Unterschränke ersetzt werden sollte.

Allerdings musste ich schon in jungen Jahren feststellen, dass es selten etwas Dauerhafteres gibt, als "a gscheids Provisorium", was erklärt, wieso die Küchenzeile auch nach dem Auszug meiner Freundin nicht nur den männlichen Nachfolger, sondern letztlich auch uns beide überlebt hat und sogar ein gemeinsamer Freund im Anschluss mit dieser sehr eigenen Konstruktion glücklich wurde.

Die Küchenausstattung selbst glich eher der von Dauercampern als Ähnlichkeiten mit den Utensilien einer Sternenküche zu haben, wobei ich ehrlich gesagt schwer davon ausgehe, dass Dauercamper mehr an Küchengerät aufzuweisen haben, als wir es taten.

Der gleichsam zweite Vorname "Provisoria" begleitet mich jedenfalls schon Zeit meines Lebens, damals wie heute in sämtlichen Bereichen. Auch meine jetzige Küche befindet sich in einem vorübergehenden Zustand, seit wir die beiden Wohnungen unseres Hauses zu einer zusammengelegt haben. Vor acht Jahren. Und unsere Küchengeräte sind ebenfalls insgesamt eher dürftig, dennoch aber sehr effektiv. 

So. Und jetzt zeige mir einer jemanden, der acht Absätze lang Luft holt, um einfach nur "Ich hab Bratäpfel gemacht und das Kerngehäuse mit einem Messer entfernt, weil ich kein solches Stechdings besitze." zu sagen. Na? 





Bratäpfel


Man braucht:
6 mittelgroße Äpfel
Butter
200 g Pflaumenmus
100 g gemahlene Haselnüsse
50 g Mandelplättchen
1 guten Schuß Zitronensaft (ungefähr 4 Eßlöffel)
Mark einer Vanilleschote
1 TL Zimt (den man auch weglassen kann)
1 EL Preiselbeeren
20 g braunen Zucker
1 Prise Salz

Und so hab ichs gemacht: 

 Aus den Zutaten nach "Butter" eine Mischung machen.

Die Konsitstenz der Masse beschreibt sich am Besten mit "Müsli, das nicht ganz aufgegessen wurde, zwei Stunden auf dem Tisch stand und alle Milch in sich aufgesogen hat". Menschen mit Kindern wissen es. Die mit einem Ordnungssinn gleich dem meinen, auch.

Die Äpfel vom Kerngehäuse befreien.

Es empfiehlt sich hier ein Kerngehäuseausstecher. (Alternativ ein Messer und ein ebener Untergrund, sowie das Bewusstsein, dass die eigenen 10 Finger auch hinterher noch voll funktionsfähig sein sollen.)

Die Äpfel in eine gebutterte, feuerfeste Form stellen.

Die Äpfel füllen.

Ich mag es, die Füllung ein bisschen über den Äpfeln zu verstreichen, auf dass sie knusprig gebraten werde.

Auf den befüllten Äpfeln ein Butterflöckchen platzieren.

Bei 200 Grad in den Backofen schieben, erstmal 20 Minuten und dann nach Gusto zugeben - bis die Äpfel letztlich etwas Farbe verlieren, zusammensacken, aber nicht "schmelzen".

Dazu schmeckt sehr gut: Vanilleeis.



Nicht im Bild: das Vanilleeis.

Na-tür-lich zog ich am späten Nachmittag des Samstags los, um Vanilleeis für die 1.Advents-Bratäpfel zu besorgen. Ich kam auch mit einer Menge Dinge wieder. Einer wagenvollen Menge an Dingen. Allem, abgesehen von Vanilleeis.

Als mir das auffiel, hatten die Läden zu und was liegt da näher, als den Mann am Sonntagnachmittag, während die Kinder ihre Wunschzettel fertig schrieben und ich den ersten Schwung der Weihnachstpost, zur Tankstelle zu schicken, damit er eine Box Vanilleeis besorge.

DAS ist nämlich in der Tat etwas, dass sich seit meinen WG-Zeiten nicht verändert hat: in der Not und als letzte Ausfahrt - die Tankstelle. Einzig die Beschaffenheit der Einkäufe, von Flaschen eindeutig alkoholischen Inhalts zu Milchprodukten, belegt meinen jetzigen familiären Background.

Die Bratäpfel im Ofen, die Kinder über den Wunschzetteln, die Mutter über den Briefen, kam der Mann nicht wieder. Und kam nicht. Und kam nicht. Und kam... Ein Anruf auf seinem Handy bestätigte mir, dass es ebendem besser zu Hause gefallen hat und so beobachtete ich kritisch fünf Äpfel im Ofen beim Wegbraten von Allem, was einst ein Bakterium gewesen sein mochte.

Das Öffnen der Wohnungstür in meinem Rücken entlockte mir ein wenig freudiges "Woo waarst duu?" und mit keiner Antwort bedacht, drehte ich mich um und erblickte meinen Mann mit drei Vanilleeistüten. TÜTEN!! WTF??

An drei, in Worten DREI Tankstellen sei er gewesen, Vanilleeis in Boxen nirgends erhältlich und so habe er das Nächstbeste genommen, das er kriegen konnte.

Ein guter Mann. 

So jemand sich in naher Zukunft beim Bezahlen einer exorbitanten Rechnung am Eisgefrierschrank der Tankstelle festklammern muss und sein Blick auf "Cornetto KingCone Vanilla" fällt, denke er an mich!


Zum 2. Advent will ich mit meinen Kindern Lebkuchenmänner machen. 

Das Rezept (Muhahahaaaa.) habe ich noch nicht gelesen, aber ich überlege, ob ich schon jetzt Alternativen für eventuell benötigtes Backpulver eruieren soll. Trockenhefe. Oder so. 





Alle(s) Liebe - 
eure Provisoriasan.



Kommentare:

Anja hat gesagt…

Lieben Dank für das Rezept! Ich werde es noch um eine Spur Marzipan erweitern!

Hiermit wurdest du getagged! Ich weiß nicht, ob du gern mitspielen willst, aber ich halte deinen Blog für so lesenswert, dass ich dich dennoch für den Best Blog Award nominieren wollte. Vielleicht hast du ja irgendwann einmal Lust auf Antworten ;) dann findest du die Fragen auf http://mamafraumensch.wordpress.com/2013/12/05/getagged/

LG, Anja

Das Hasenhäuschen hat gesagt…

Hallo Du Liebe,
hmmm....mir läuft gerade das Wasser im Mund zusammen, so lecker, ich liebe diese Äpfel l(außer mir in der Familie KEINER, HALLO, die können doch nicht mir mir verwandt sein????!!! Vielleicht ändern sich die Geschmacksnerven noch!!!). Die nächste Tankstelle von uns ist die Straße runter...3 Min....rate mal wer da schon mal Chips äh.....Wasser ...;-) kauft, weil er im Supermarkt stolz dran vorbei gegangen ist (macht DICK und PICKEL). Und dann abends....ab zur Tankstelle...aber psst...nicht verraten....
Alles Liebe, Diana