Freitag, 27. September 2013

Bitte, danke, du mich auch.






Ich musste mal sehr dringend darüber nachdenken, was ich eigentlich im Alltag an Benimm von meinen Kindern erwarte. Also, abgesehen davon, dass sie generell und immerzu nur sprechen, wenn sie gefragt werden und mich dann ausschließlich siezen und "Geliebe Frau Mutter" nennen, natüüüüüüahlich.

Genauso wenig wie ich auf Pfiffe reagiere, agiere ich bei meinen drei Kindern nämlich bei "Gib mir" und "Ich will". Der Ichwill wohnt hier nicht. Für eine Freundin verbaler Höflichkeit sind "Bitte" und "Danke" schlicht die Basis. Und ich finde es durchaus zu verantworten, von meinen Kindern sowohl "Reichst du mir bitte" oder "Kann ich bitte" hören zu wollen als auch das nachfolgende "Danke!".

Ab einem gewissen Alter sollen diese beiden Worte in Kindes sprachlicher Macht liegen. Das klassische Baustein-Hinundherreichen beim Geben nicht mit "Da!" und beim Entgegennehmen mit "Zurück!" zu kommentieren, sondern mit "Bitte!" und "Danke!", war in jedem Fall eine frühe "Übung" und indem ich mich ebenfalls bei meinen Kindern bedanke und sie um gewisse Erledigungen bitte, kann ich auch hinter das Vorleb-Dings ein Häkchen machen.

Bisweilen allerdings verkennen meine Kinder den Befehlscharakter dieser letzgenannten Bitten und die Effizienz einer im dreistelligen Dezibelbereich brüllenden Mutter ist erfahrungsgemäß eine wesentlich höhere. Abgesehen davon ist ein ordentlicher Imperativ hin und wieder sowieso weit vernünftiger und beispielsweise "HAAAAAAAAALT!!!!" in jedem Fall klüger als "Liebes Kind, es naht ein Siebeneinhalbtonner. So du bitte die Güte hättest, deinen Schritt zu mäßigen und alsbald zum Stehen zu kommen, wäre ich dir sehr verbunden.".

Ernsthaft aber - sowohl zu Hause als auch anderswo lege ich Wert auf sich bedankende und bittesagende Kinder und so sehr mich erstaunt, wie verwehrt manchen Menschen offenbar zeitlebens der Zugang zu Humor bleibt, erstaunt mich, bei wie vielen diese so einfache, grundlegende Umgangsform offenbar nicht praktiziert wird. 

Annehmbare Tischmanieren gehören zudem ebenfalls zu meinen Favoriten im familiären Zusammenspiel.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich stoße spitze Freudenschreie aus, wenn EIN EINZGES Tischgespräch in diesem Haus nicht zu 80 Prozent von Püpsen, Rülpsern und anderen Auswüchsen von Menschen produzierter Geräuschkulisse handelt. Und von normalem Kleckern und Verschütten oder mit den Fingern essen ist auch nicht die Rede. Allerdings mag ich es, wenn das mit den Fingern essende Kind sich diese Finger dann nicht an der Hose, sondern an der Serviette abwischt. Wenn es dabei gerade auf dem Stuhl sitzt und nicht absichtlich vom selbigen fällt oder über dem Tisch liegt oder sich den Kopf ab- oder die Ellbogen aufstützt. Und, wenn es sitzen bleibt, obwohl es fertig gegessen hat, die anderen aber noch nicht.

Ich mag bei Tisch keine Spielsachen, keine Telefone und keine Bücher. Sonst verpasste ich ja all die Geschichten und Erlebnisse, von denen die Kinder erzählen und die Lieder, die meine Tochter während des Essens singt, etwa "Old MacDonald had a farm", vom Kleinsten innerhalb 0,4 Sekunden in "Oldmäck Pupsi häda Pups" umgedichtet.

Ich mag, wenn die Kinder den Gästen zuerst auflegen wollen und wenn einer dem anderen Getränke anbietet und Vergessenes aus der Küche holt.

Ich mag nicht, wenn jemand "Bäh!" sagt. Oder "Iiiih!". Ich mag es nicht nur nicht, ich kann es ÜBERHAUPTST nicht leiden! Essen ist nicht "Iibäh!". Essen kann schmecken, oder auch nicht, in keinem Fall aber ist es "Bäh!". Oder "Iiiih!".

Zuletzt finde ich es angebracht, zu grüßen. Nicht in der Fußgängerzone. Aber wir wohnen auf dem Land und ich wüsste nicht, weshalb man jemandem nicht einen guten Tag wünschen soll. Zumal dieser Jemand vielleicht der einzige Jemand weit und breit ist. Längerfristig. 

Einfachste Umgangsformen, kleinste Höflichkeiten in Form von "Bitte", von "Danke", von "Guten Tag" und für mich tatsächlich auch in Form von einem altersentsprechenden Verhalten bei Tisch, ist eine Art von Respekt, die ich sowohl zu zollen bereit bin als auch für mich einfordere.

Wie meine drei Kinder sich letztlich verhalten, wenn ich nicht dabei bin, weiß ich nicht. Ich gehe, so lange ich nichts Gegenteiliges höre davon aus, daß sie sich anderswo und / oder als Gast zu benehmen wissen.

Ich wünsche es mir.




San







Kommentare:

Sandra bloggt hat gesagt…

Liebe San!
Das kann ich alles unterstreichen, genau so! Super geschrieben!
Ich wünsche Die ein schönes WE.
Sandra

Familienfreundlich hat gesagt…

An dich denke ich ständig.
Sogar mein Mann, der nicht mal Familienfreundlich liest ;) hat deinen Hausaufgabenpost gelesen. Das war ein wundervolles Stück Weisheit. Das schreib ich dir auch noch an der "richtigen Stelle". ;)
<3
Dir ebenfalls das schönste Wochenende!

Das Hasenhäuschen hat gesagt…

Guten Morgen San,
danke für die wahren Worte...ich finde auch, dass Höflichkeit und Respekt eine wichtige Basis für ein gelungenes Miteinander ist. Wenn man dies den Kindern vorlebt, wird es auch umgesetzt.
Ein schönes Wochenende, Diana

Familienfreundlich hat gesagt…

Das finde ich auch!
Ein wunderbares Wochenende dir und deinen Lieben! <3

Secondlifemama.de hat gesagt…

Also ich kann nur unterstreichen, wie wichtig die grundsätzlichen "Grußformeln" im Alltäglichen sind: Hallo, Tschüss, Bitte, Danke - das kann man (als Kind, wie auch als Elternteil) AUCH in der Großstadt zu denen sagen, die man mehr als 3 Mal in der Woche sieht: Der Mama auf dem Spielplatz, dem Ladenbesitzer in derselben Straße, dem Postmann etc. pp. Eure Secondlifemama.de

Familienfreundlich hat gesagt…

Liebe Secondlifemama!
Da stimme ich uneingeschränkt zu!
Und auch in anderen Situationen: ein alleine in einem Kaffee sitzender Mann um die 65 muss zu meiner Tochter (8) gesagt haben, er wolle sich bei ihr bedanken, denn sie sei von zig in den letzten Minuten an ihm vorbeigegangenen Schulkindern die erste und einzige, die "Guten Tag" gesagt hätte. Das finde ich traurig. Aber wenn ein mitgebrachtes Mittagsgastkind nach dem Essen aufsteht und nach Hause geht, komplett ohne sich bei mir zu verabschieden, oder sich auch "nur" zu bedanken, bin ich fassungslos.
Vielleicht war das Essen so schlecht... ;)
Ich grüsse dich sehr lieb und wünsche dir eine schöne Woche! :)

Wolke Sieben hat gesagt…

Liebste San! Oh Mann, Du hast so Recht! Und weißt Du was? Ich glaube, es ist den Eltern einfach zu anstrengend, konsequent zu sein (nicht nur was Benimm angeht ein großes Problem). Bevor sie auf dem kleinen Wort "bitte" bestehen, und Gebrüll in Kauf nehmen, machen sie es lieber schnell ohne. Ich bin ganz oft erschrocken, wie Kinder allein schon mit ihren Müttern umgehen! Meine sind von Beginn an darauf getrimmt, und ich genieße es immer, wenn andere Menschen sich über ihre Höflichkeit freuen. Mein Sohn wird Muttis mit Kinderwagen aus dem Bus helfen...wenns bei mir schon keiner macht ;)!! Dicker Kuss <3<3, Rieke

dierotefee hat gesagt…

Unterschreibe ich alles.
Die kleine Fee macht das auch wirklich sehr gut- aber man muss es eben auch vorleben. Respekt ist in meinen Augen wahnsinnig wichtig, was wäre das für ein Leben ohne guten Umgang miteinander?