Montag, 12. August 2013

Soll sies wirklich machen, oder lässt sies lieber sein


Ich bin uncool. Nicht nur im normalen Leben, denn auch hier gehöre ich von außen betrachtet wahrscheinlich eher in die Kategorie „Super-Spießer“, aber darum geht es heute nicht - ich meine in den Augen meiner Kinder.

Hat ja nichts mit Coolness zu tun, die drei jeden Tag zu bekochen, ihre Wäsche zu machen, ihren Kram aufzuräumen, sie zum Klavierunterricht zu bringen, mit ihnen Schwimmen zu gehen, auf die Dirt-Bike-Bahn und zum Herbstblättersammeln, mit ihnen zu singen, zu kuscheln, zu lesen, zu malen und zu basteln. Nicht auszuticken, wenn der Sohn nicht exakt um die ausgehandelte Uhrzeit nach Hause kommt (sondern im akzeptablen Spielraum von 5 Minuten), oder unfassbar gelassen zu bleiben, obwohl man sicher ist, dass man morgen mindestens neun von den 15 heute in Knete für das Jüngste investierte Euro mit dem Teigschaber vom Boden kratzen darf.

Auch all die Arzttermine, Elternsprechabende und -beiratsgeschichten, ihnen beim Einradfahren, Inlineskaten und auf dem Trampolin zuzusehen, mit ihnen ins Theater und ins Kino zu fahren und sie (ich formuliere es absichtlich so) in den Urlaub mitzunehmen, gehören nicht dazu.

Cool ist in unserem Haus nur der, der diese Brut gemeinsam mit mir gezeugt hat. Jahaaa. Is Recht. Und: jahaaa - ich jammere.

Denn zugegeben - ein ganz kleines bisschen hatte ich gehofft, ich würde wenigstens ansatzweise von meinen Kindern in eine Art Rockstarolymp gehoben, wenn ich ihnen eröffne, dass ich mir eveeeeentuell ein Tattoo machen lassen wolle. HA! DENKSTE! Zwei von dreien haben es vermieden, nach dieser meiner Verkündigung selbst nur in meine grobe Richtung zu sehen!

Nicht mal ein (selbstverständlich in der Theorie dann liebevoll von mir abgeschmetterter) „Totenkopf auf dem Oberarm“ - Vorschlag ist gekommen. Ein „Wir gehen Schuhe kaufen!“ entlockt ihnen mehr Enthusiasmus! Auch gut. Mir doch egal.

Wobei – ich will ehrlich sein. Meine mittlere Tochter machte sich große Sorgen, ob das denn nicht ganz schrecklich weh täte (Woher weiß sie das? Sie ist sechs!). Und merkte an, sie würde Sterne ganz besonders schön finden.

Sterne. Nö, mag ich nicht. Auch keine Meeresbewohner oder andere Planeten, keine Pflanzen, literarische Abhandlungen, Tribals oder Koordinaten. Und auf gar keinen Fall chinesische oder japanische Schriftzeichen. Das ist mir nämlich zu gefährlich. Ich will nicht auf meinem Nacken „Dleimal die Nummel vielundzwanzig bitte“ stehen haben. Auf viele Körper (abgesehen vom letzteren vielleicht) passen all diese Dinge hervorragend, auf meinen nicht.

Ich weiß ganz genau, was ich möchte. Ob der Körperstelle war ich mir nicht ganz so sicher, bis ich heute von meiner Freundin bei einem bezaubernden Ferienfrühstück mit einem Edding bemalt wurde. Na dann. Stünde dieses also auch fest.

Jetzt geht es darum, einen Termin für mich festzumachen. Das heißt, eher einen Termin für einen Gemeinschaftsausflug für UNS. Zwei von den fünf anwesenden Frühstücksfreundinnen haben nämlich auf meine Frage, was sie denn davon hielten, wenn, mit „Hurra! Ich komm mit! Will ich schon lange!“ reagiert. Die dritte Freundin überlegt noch – weil sie nicht diejenige sein mag, die dann mit einer weiteren und vor allem der allergrößten Bemalung nach Hause kommt! Überreden wir sie halt.

Allerdings… Ich mag vielleicht uncool sein, aber ich bin nicht doof. Die Kategorie „Kinderlose Hebamme, die bei der Geburt „Jetzt stellen Sie sich nicht so an!““ sagt, ist nicht die meine. Ich weiß nämlich auch ohne es vorher selbst erlebt zu haben, dass der Quatsch ganz schön schmerzhaft ist.

Was mach ich nur. Was… Ach, komm schon. Ich ruf Mittwochmorgen an.

Absolut wurscht, ob diese komische deutsche Frau sich tätowieren lässt oder nicht, wird es dem Kind aus werweissdasschoneventuell Tichindeal sein, für das meine Großen und ich im Rahmen von „Weihnachten im Schuhkarton“ heute ein paar Kleinigkeiten besorgt haben. Einzig wichtig ist, dass es sich freut.

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