Freitag, 4. Januar 2013

Congratulations! You made it out of bed!

Nur kurz zur Erinnerung: was macht mich so ausgesprochen liebenswert? Na? Na?! Richtig. Das Unperfekte. Bestimmt schaffe ich es, das meinem Mann und meiner jüngsten Tochter im Lauf der nächsten Monate auch nahe zu bringen. 2013 ist ja noch jung.

Im Moment befinde ich mich allerdings erst in der Entschuldigungs-Phase. Dafür, dass ich beide heute Morgen um kurz nach sieben aus ihren Betten geschmissen habe. Weil die Kleinste heute den ersten Kindergartentag nach den Weihnachtsferien hat. Hätte. Also, hätte haben sollen. Und noch dazu ein Theaterbesuch! Grandios.

Um mit unserem Jüngsten also rechtzeitig das Haus zu verlassen zu können, habe ich meinen Wecker auf 5.40 Uhr gestellt. Ernsthaft. Ich kenne mich einfach zu gut. Deswegen habe ich ihn auch um 5.50 Uhr (10 Minuten – ich bitte euch), 6.05 Uhr (sobald keine „5“ mehr vor der Weckzeit steht, wird auch diese eigenartige, ich nenne sie liebevoll „psychosomatische Müdigkeit“ besser), 6.25 Uhr (wird sie nicht) und 6.40 Uhr klingeln lassen. Ohne nennenswerten Erfolg. Dann änderte mein nach wie vor erschöpftes, ferienbeseeltes Hirn seine Strategie:

ich würde (wieder einmal) Frühstückszubereitung, Kind aus dem Schlaf kitzeln, Brotzeittasche packen, Zähneputzen und Anziehmarathon übernehmen und mich erst nach dem zweiten Kaffee selbst ins Bad schleppen. Mein Mann, der sowieso ins Büro musste (pffh, dreiviertel Stunde früher oder später), würde (ebenfalls wieder einmal) für mich das in-den-Kindergarten-bringen erledigen. Ich fand mich genial und teilte meinem Liebsten dies auch so mit. Den Wecker stellte ich auf 7.01 Uhr.

Als ich um siebenuhrzwei (!) die Kaffeemaschine einschaltete, erinnerte ich mich an ein Foto, das ich vor ein paar Tagen auf Facebook gesehen hatte: eine Klapptafel mit der Aufschrift „Congratulations! You made it out of bed!“.
Ich werde mir davon ein Poster machen lassen.

Das Kleinste krabbelte letztlich, nach Kitzeln, Streicheln, Rückenkraulen und gemeinsamem Überlegen, was es auf sein Frühstücksbrot möchte („Zahncreme?“ „Neeiin!“ „Ein Buch?“ „Neein!“) um kurz nach halb acht aus seinem Bettchen – „Mami, ich kann nicht! Meine Beeeiiine schlafen noch!“ – der Zeitplan straffte sich.

Schätzungsweise 80 Prozent von euch haben Kinder. Was soll ich also sagen. Um halb neun schlug die Haustür hinter Mann und Tochter zu.

Fünf Minuten später klingelte unser Telefon. Mein Mann. „Äh, sag mal, bist du sicher, also, wo GENAU hast du gelesen, dass heute schon Kindergartenbeginn ist?“ „Wie, gelesen? Gemerkt. 4. Januar, KiGa-Start.“ „Kann nicht sein. Hier ist niemand.“


Ich habe zu Beginn des Schuljahrs Sammelmappen für jedes meiner drei Kinder angelegt, um all die Mitteilungen, Krankheitsblankobescheinigungen und WTG-Geldsammelzettel ENDLICH an ein und derselben Stelle suchen zu können. Die Kindergartenmappe enthielt einen Elternbrief mit der Jahresplanung und den Ferienzeiten. Weihnachtsferien: bis einschließlich 4. Januar. Einschließlich. Also, ein wirklich kaum wahrnehmbares Wörtchen, quasi in seinem Dasein nahezu non existent, sozusagen eine Winzigkeit dargelegter Unperfektionismus, fürwahr menschlich und… Ich senkte den Kopf.

Mann und Tochter kamen zurück nach Hause. Dieser Auszug des nun folgenden Gespräches reicht zur Widergabe: „Gib zu, das war ein Probelauf für Montag!“ Natürlich. Und eine eigenartige, fremde Macht hat Besitz von meinem Geist ergriffen und diesen für alle Beteiligten äußerst hinterhältigen und fiesen Plan ersonnen, um uns auf den Höllenritt, der erfahrungsgemäß am ersten Schultag nach den Ferien bevorsteht, schon Freitag davor ein klitzekleines bisschen einzustimmen. - Ich entschuldigte mich das erste Mal.

Eine völlig übertriebene, unverhältnismäßig harte Strafe wurde mir im Übrigen dennoch auferlegt: der Weihnachtsbaum muss noch ein paar Tage bleiben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Oh Gott wie herrlich und wie menschlich

Anonym hat gesagt…

Grossartig!
Wurde aber auch allerhöchste Zeit für eine Fortsetzung! ;-)