Sonntag, 8. Januar 2012

Rhythmus versus Laxus

Hin und her gerissen bin ich gerade zwischen einem inbrünstigen bajuwarischen „Lujah sog i“ und einem nicht weniger inbrünstigen, aber eher hochdeutschen „Ooch, nööö, wieso das denn?“. Was mich derart schwanken lässt? Das Ferienende!


Auf der einen Seite finde ich es durchaus angenehm, dass zumindest zwei Drittel meiner vielen Kinder ab morgen wieder vor acht das Haus verlassen und nicht, weil anwesend, die ganze Familie schon lange vor dieser Uhrzeit aus verschiedenen Zimmern mit diversen Hörspielen beschallen. Links „Moby Dick“, rechts „Die kleine Hexe“ und dazwischen ein blondes Etwas, das, mit einer tanzenden Puppe (was hat das Christkind sich nur dabei gedacht, ein Geschenk unter den Baum zu legen, das TÖNE machen kann??) und einem „Die lieben Sieben“ - Puzzle bewaffnet von Raum zu Raum springt und „Mami, du bist ein freches Flugzeug!“ (???) ruft. Und dass resultierend aus der Schulpflichtigkeit meiner Ältesten nicht mehr ganz so viel Spielzeug rumliegen wird. Wer nur den halben Tag da ist, verteilt nur die Hälfte an Zeug. Einfache Rechnung.


Ich finde es entspannend, dass ich ab morgen, nur weil ich nicht den ganzen Vormittag „UNO“ spielen soll, wieder lange vor dem Mittagessen den Frühstückstisch abräumen kann. Dass ich mit nur EINEM Kind einkaufen gehe. Dass ich schon um sieben salonfähig bin. Dass ich aufräume und es wenigstens zwei Stunden im Ansatz auch so aufgeräumt bleibt. Dass die Tage irgendwie länger sind, weil sie früher beginnen, kurz: dass mich der Alltag / Rhythmus wieder hat.


Ein unübersehbares Chaos hat unser Haus nämlich auch in diesen Ferien ereilt. Nicht zu glauben, wie vier / fünf dauerpräsente Menschen 140 qm in 14 Tagen „beverwohnen“. Das sprichwörtliche Hempelsche Sofa dürfte in keinster Weise an das heranreichen, was sich die letzten beiden Wochen als unser Heim dargestellt hat. (Halte ich übrigens den Staubsauger unter unser echtes Sofa, macht es „ccchhhhhhffrkkkks“. Pfh. Mir doch wurscht. Ich will wirklich überhaupt nicht wissen, was drunter war. Und bis jetzt vermisse ich auch nichts.)


Noch schlimmer als im „normalen“ Leben, um es auf den Punkt zu bringen, ist es also in den Ferien, wenn eben immer einfach alle irgendwo rumwuseln und man NIE auch nur ein kleines bisschen zu dem kommt, was haushalterisch auch mit ganz weeeeeit gesteckten Zielen (den meinen) erreicht werden sollte.


Das Ferienende. Endlich also wieder ein bisschen Geregeltes, ein bisschen Strukturiertes, endlich… Endlich?


Hm. Auf der aaaaanderen Seite nämlich graut mir ganz fürchterlich vor morgen. Alleine die Vorstellung, dass mich mein Wecker MITTEN IN DER NACHT dazu bringen wird, meinen müden Körper in die Küche zu schleifen, um dort die Kaffeemaschine einzuschalten, dass ich dann sofort ins Bad soll, duschen, anziehen, Frühstück machen, Kinder wecken, Brotzeiten eintüten, Haarspangen suchen, und wo, verdammt, ist der zweite blaue Handschuh, eben der irrsinnige Morgenwahnsinn - und das alles, ohne zwischendurch auch nur EINMAL (mit UNO-Karten in der einen und einer Kaffeetasse in der anderen Hand) meinen noch immer so müden Körper auf dieses wunderbare, gemütliche, raschelnde (was isn unter dem Kissen??) Sofa legen zu können. Und dort auch zu bleiben. Bis ich um zehn vielleicht mal überlege, ob es nicht an der Zeit sei, mich und meine Kinder in unsere Bäder zu scheuchen. Soviel Stress so früh am Morgen… Oder kucken wir Kinderkanal? Ist doch schulfrei!


Ach. Ich habe es wohl. Das Feriengen. Wieso sollte sich seit meiner eigenen Schulzeit daran etwas geändert haben? Morgens nicht zwingend aus dem Haus stürmen zu müssen, bzw. meine Kinder zum Stürmen zu bringen, ist einfach grenzenlos luxuriös.


Unser Sohn hat uns unlängst wegen seines künftigen Berufes (kein Scheiss, denn „Ich denk, da müsst ich vielleicht studieren!“), von seiner angestrebten Schullaufbahn in Kenntnis gesetzt. Ein Gutes kann ich diesem so kurzen G8 jetzt abgewinnen. In die Uni muss er dann morgens nämlich selber kommen. Und wehe, du wiederholst eine Klasse, mein Freund!


Soeben ereilt ein erprobter, aber vergessener Kompromiss mein Gehirn: wenn ich heute noch alle Kinderklamotten rauslege, die Haarspangen, Brotzeitdosen, alle Handschuhe, Mützen und Schals und den anderen dringend morgens zwischen halb sieben und halb acht benötigten Kram vorbereite, könnte ich locker zehn Minuten länger… HA! Bin schon weg!


Äh – wann genau sind in diesem Jahr Faschingsferien?

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