Freitag, 27. Januar 2012

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt...

… habe ich mir gleich nach „Verdammte Hacke, dreh um!!“ gedacht, am Sonntag, auf dem Rückweg vom Schwimmbad, als mein Mann und ich uns gerade darüber unterhalten haben, wie gut wir doch „in time“ liegen und vor der Schlafenszeit unserer Kinder sogar noch was kochen können, an diesem Abend, als von der Rückbank des Multivans von meinem Sohn „Mama? Hast du meine Geldbörse auch eingepackt?“ erklang.


Die 20 Minuten zurück, das Klingeln am Infoknopf des Ticketschalters, das „Problem-erklären“, das Hechten zum Spint Nummer 365, das erleichterte Packen der noch immer daen, zuvor empört im ganz hinteren Teil des Schrankes deponierten Geldbörse meines Sohnes samt 50€-Inhalt (DAS kommentiere ich nicht öffentlich, bemerke aber, dass mein Erstgeborener und ich uns intensiv darüber unterhalten haben, ob man eine immense Menge Sparschwein-Geburtstagsgeld ohne (!!) elterliches Wissen heimlich wegen eines von Kinderhand geplanten Eises in ein Schwimmbad mitnehmen sollte, oder nicht) und das erneute Drücken des Infoknopfes samt weiterer Ausführungen, weswegen man das Gebäude auch ohne Plastikchip wieder verlassen können muss, sowie der nun doppelte Rückweg - haben die Kocherei Sonntagabend letztlich etwas anstrengend gestaltet.


Ich seufze.


„Murphys law“ ist ein Scheißdreck gegen das Leben mit Kindern!


Am Montag wären das Jüngste und ich beispielsweise zum Frühstücken eingeladen gewesen. Seit Wochen. Und seit Wochen mit Vorfreude meinerseits. Dass besagtes Jüngstes sich gerade schlafenstechnisch umstellt (der Mittagsschlaf fällt weitestgehend weg, dafür, als Erstes von drei Kindern, wird das Defizit an die nächtliche Schlafenszeit gehängt, sprich, vor halb neun hat man mit Nummer drei nicht zu rechnen), ist gleichsam „soweit, so neu, so spät“. Dennoch aber grundsätzlich alles gut. Dummerweise wachte das Kleinste an diesem Montag hustend auf. Hm. Nach einer halben Stunde mütterärztlicher Beobachtung habe ich das Frühstückstreffen schweren Herzens abgesagt, stattdessen aber – kann mir bitte dafür mal einer rückwirkend anerkennend auf die Schulter klopfen?? – hausmittelbefürwortend MORGENS UM NEUN Zwiebeln für einen Brustwickel angebraten.


Während der Einwirkzeit lasen das kleine Eine und ich ein Buch. Note to myself: unbedingt (!!) vorher sämtliche Eventualitäten bezüglich der Buchauswahl abwägen!! Ich habe nämlich fatalerweise „Kasimir backt“ ausgesucht. Grundsätzlich ein wunderschönes Bilderbuch über einen backenden Geburtstagsbiber. Wieso auch nicht. Aber – ich habe nicht mit meiner jüngsten Tochter gerechnet. „Mamiii? Backen wir auch Kuchen?“ Uuuuuuuhhhh. DIESER Augenaufschlag bringt dich um!


Statt unseren Haushalt an diesem Vormittag eh unvorhergesehenerweise auf ein akzeptables (in unserem Fall „unterstes“) Niveau zu bringen, habe ich meiner jüngsten Tochter lächelnd dabei zugesehen, wie sie stolz kinderbeschürzt Eier für einen Rührkuchen (Janosch-Backform, „Kleiner Tiger“) aufschlug. (Das „Man muss Kinder einfach mal machen lassen“ ist übrigens der Tenor einer anderen werdenden Blog-Geschichte…)


Ich hab mir dann einen Kaffee gemacht. Und anschließend die Küche geputzt. Und wieder geseufzt. Ganz leise.


Es läuft eben einfach selten so, wie man sich das günstigstenfalls denkt.


Wie oft, liebe bekinderte Leserschaft, habt ihr in diesem Winter umgedreht, weil das zuvor so wunderbar, aber schweißtreibend in den Schneeanzug gepackte, bereits das Haus verlassende Kind „Mami, ich muss maaaaaal!!!“ gerufen hat? Ha! Eben.


Alle (!) Lebensbereiche sind vom quasi umformulierten „Bieseldrang“ betroffen. Ich, die ich mit dem hochgezogener-Augenbraue-formulierten „Fühlst du dich nicht gut, heute? Du wirkst irgendwie so blass?“ konfrontiert werde, weil ich offenbar doch nicht mit der Kosmetikindustrie konform gehe und meine Winterblässe nicht anständig kultivieren darf, weswegen mir gleich eine fundamentale Gesundheitskrise unterstellt wird, genauso, wie die Frau, die neulich direkt vorm Zeitschriftenladeneingang parken wollte.


Es läuft eben nicht immer so, wie man sichs gedacht hat!


Ich mache mir an dieser Stelle im Übrigen keinerlei Sorgen darüber, dass mich eben erwähnte Dame zwecks Erwähnung in diesem Blog eventuell wegen Beleidigung oder Ähnlichem verklagen könnte – dazu müsste man nämlich wahrscheinlich LESEN können. Ich gehe tatsächlich davon aus, dass die Frau, die, uns begegnend, wild aus ihrem lila Auto gestikulierend und schimpfend, diesem NICHT mächtig ist. Sonst wäre ihr nämlich der Begriff „Gehweg“ mitsamt all seinen Gesetzesmäßigkeiten bereits irgendwo mal in schriftlicher Form unter gekommen. Und die Frage, ob man sich aufzuregen hat, weil eine Mutter mit ihrem laufradfahrenden Zweijährigen penetrant den Bürgersteig benutzt und nicht unmittelbar platzmachend auf die Fahrbahn springt, keinesfalls gestellt werden müsste.


In diesem Moment – das mit der Hand wedelnde (als wolle sie eine Fliege verscheuchen) Etwas im eigenartig farblich gestalteten Fahrzeug direkt vor uns – ging ich auf die Knie und band geduldigst Schnürsenkel, die meine Stiefel überhaupt nicht HATTEN!


Tja. Manchmal läuft es…


Nach tagelang intensivst geäußertem Wunsch meines Sohnes nach einem „Darth Vader“ – Faschingskostüm habe ich mir – als weiteres Beispiel - gedacht, ich mache einen auf „guter Bulle“ (sonst, ich gebe zu, nicht mein Part…). Mit der Kleinsten bin ich also vormittags, den Schulschluss der Erstklässler-Mittleren im Nacken und das glücklich-strahlende Gesicht meines Sohnes vor Augen, in ein sonst eher wenig favorisiertes Spielzeuggeschäft gefahren – letztlich „Darth Vader“ in Form von Maske, Lichtschwert, Anzug und Cape auf dem Rückweg im Kofferraum.


Mein geliebter Sohn kam an diesem Tag nach Hause – und bevor er wie sonst „Was gibts zu essen?“ gerufen hat, verkündete er „Ich gehe nicht als Darth Vader, sondern als Klon-Krieger!!“. Isnichdeinernst. Manchmal…


Auch das heutige Umtauschen und Ersetzen des 35-Euro-Kostüms lief bei Weitem nicht so, wie geplant. Zwei Stunden nervenaufreibendes, nicht enden wollendes Geschwistergerangel, das ich trotz mehrfacher Ermahnungen nicht unterbinden konnte, haben mich, die ich alle Kinder ausgehfertig angezogen und die Haustürklinke bereits in der Hand gehalten habe, das Angekündigte spontan absagen lassen.


Moment mal. Bin ich denn hier der Depp???


HALT! Ich kenne die Antwort! Es läuft halt NIE so, wie…


Ich seufze wieder. Und denke an meine mittlere Tochter, die heute „Mami, ich küsse dich so doll, dass du umfällst!“ zu mir sagte. Und an die Kleinste, die sich selbst ein Notenblatt malte, sich ans Klavier setzte und „5 kleine Fische“ sang. Und an den Grossen. Der sich das kleine Eine schnappte und für es in seinem Zimmer eine Rutschbahn baute.


Jetzt kucke ich sie mir an. Meine drei gesunden, schlafenden Kinder. Zwei davon gemeinsam in einem 90 mal 2 Meter - Bett, weil sie ohne einander grade nicht einschlafen wollen. Also. Wenn ich ausser diesem Winter, der keiner ist, keinerlei Probleme habe, muss ich sagen, dass hier verdammt viel verdammt gut läuft.

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