Sonntag, 23. Oktober 2011

Vorhang auf!

Inspiriert durch einen Facebook-Kommentar zu einer meiner Geschichten, hab ich mal über das Schauspieler-Gen, das in Eltern offenbar enthalten ist, nachgedacht. Wie sonst nämlich hätte sich der Osterhasenmythos über so viele Jahre erhalten können?


Auch die Sache mit – jetzt beinahe schon aktuell – dem Christkind muss in diesem Zusammenhang angesprochen werden. Ich persönlich finde es nämlich ausnehmend wunderbar, mit meinen Kindern die vielen kleinen Geheimnisse, die um das Christkindding ranken, zu erleben und zu teilen.


So gibt es bei uns einen festen Tag in der Adventszeit, an dem Wunschzettel geschrieben und des Abends mit Steinen beschwert auf die Fensterbank gelegt werden. SELBSTVERSTÄNDLICH sind diese bis zum nächsten Morgen abgeholt. Wir schmücken den Weihnachtsbaum gemeinsam, damit das Christkind sich freut und Geschenke darunter legen kann. Alles andere wäre in diesem Haus-fast-ohne-Türen auch tatsächlich kaum möglich.


An heilig Abend stellen wir draußen eine Unmenge an Kerzen auf, die in unserem Innenhof die Einflugschneise abgrenzen sollen. Die Extra-Kerze vor der Haustür wird hingegen erst vom Christkind selbst entzündet, nachdem es die Geschenke gebracht hat. Wenn meine Kinder aus der Mette kommen, ist das für sie schon das erste kleine Zeichen für einen Haufen gleich entstehendes Einpackaltpapier.


Eine Bekannte war vor einiger Zeit in einem Vortrag darüber, dass man seinen Kindern nicht von einem lebenden Nikolaus, der die Geschenke vor die Tür legt, erzählen soll. QUATSCH. Das hat doch in keinster Weise etwas mit Lügen und Böswilligkeit zu tun! Ich spiele meinen Kindern Puppentheater vor. Bis zu einem gewissen Alter sind sie nicht in der Lage, die Puppe an der Hand von der Mama dahinter abzugrenzen und denken, alles sei „echt“. Soll ich es deswegen lassen?


Der erste Wackelzahn beispielsweise ist in einem Kinderleben eine der größten Besonderheiten überhaupt. Und wenn die Zahnfee bis zum nächsten Morgen einen Roboter-Radiergummi unters Kopfkissen gelegt hat, bin ich nicht diejenige, die das Leuchten in den Augen ihres Sohnes missen wollte.


Wenn mein Kind sich gestoßen hat, schmeiße ich keine medizinischen Fachbegriffe durch den Raum – ich singe und puste den Schmerz weg „Siehst du? Da fliegt er!“, und beim Arzttermin weise ich nicht auf die Länge der Impfnadel hin (gut, doofes Beispiel, denn ich sage hier auch nicht, es täte nicht weh, sondern es sei gleich vorbei).


Und, nur der Vollständigkeit halber, ich bin keine Mutter, die ihren Kindern absichtlich vom „schwarzen Mann“ oder von „Bienen und Blumen“ erzählt. DAS ist eine ganz andere Liga, als die Vorfreude beim gemeinsamen Putzen der Winterstiefel, weil sie tags darauf Nüsse und Mandarinen enthalten sollen.


Es gibt abschließend eben Situationen, in denen das Wahre für deine Kinder nicht unbedingt das Beste ist.


Ich finde im Übrigen, dass ich auch außerhalb meiner Familie ausgesprochen großes schauspielerisches Talent unter Beweis stelle. Denn wie sonst könnte man sich das Halten meiner unfassbaren Contenance erklären, als ich gestern Abend, bereits im Konzert sitzend, feststellen musste, dass meine liebste Freundin sich im Datum geirrt hatte und wir statt Beethovens Fünfter mit einem schillernden Dirigenten und „An der schönen blauen Donau“ beglückt wurden? Die wunde Stelle an der Innenseite meiner Unterlippe, die in Ermangelung einer Tischplatte entstanden ist, ist heute auch beinahe schon wieder verheilt.


PS: zeitlebens werde ich allerdings „She´s a maniac“ nie wieder unbelastet hören können.

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