Mittwoch, 5. Oktober 2011

Sing, Marilyn, sing

Überall umgefallene Saftbecher, zerplatzte Luftballons, Krümel, Wachsspritzer auf dem Tisch, zerknülltes Papier, Verpackungsmaterial, zertretene Süßigkeiten, umgekippte Stühle, Spuren von Kinderschminke auf dem weißen Kissen und gleichsam mannshohe Luftschlangenknäuel. Der Augenzeugenbericht eines Kriegsjournalisten? Ach, woher! Ein Kindergeburtstag!


Auch wenn sich unser „normaler“ Alltag oft kaum von oben genanntem unterscheidet, sind die Kindergeburtstagstage trotzdem hervorzuheben.


Ich mag Kindergeburtstage. Ich mag es auch, wenn die zuckergeschockten Gäste meiner Kinder irgendwann wieder abgeholt sind, aber – ich mag sie, die Kindergeburtstage.

Geradezu lieben tue (olé Hilfsverben) ich allerdings die Vorbereitungen dazu. Echt.


Ich werfe mit Freude 5€ ins Narzissten-Schwein und erzähle, wie ich für den Piratengeburtstag meines damals fünfjährigen Sohnes die Einladungsschatzkarten habe altern lassen:

ich habe sie allesamt nebeneinander auf unser Stückchen Wiese gelegt und bin darauf herum gesprungen (funktioniert sogar noch besser, als der Kaffeesatz, den ich ebenfalls darauf verteilt habe). Noch heute klopfe ich mir selbst anerkennendst auf die Schulter, wenn ich daran denke, wie ich hüpfend Contenance bewahrte und freundlich das Fußvolk grüsste, welches mit hochgezogenen Augenbrauen an mir vorbeilief.


Und was habe ich nicht noch alles „kreiert“. Ich habe Blüten getrocknet und mit dem Einladungskärtchen in Folie verpackt für das Feenfest meiner mittleren Tochter. Ich habe eine Schatzsuche im Park organisiert, mit zuvor extra bestellten Förmchen Gespensterkekse gebacken, ich habe Weintrauben geschält, die die Glubschaugen in der von mir gemachten Fühlbox darstellen sollten, ich habe eine Unmenge an Schmetterlingen ausgeschnitten und mit Kaffeefiltern Geschenketüten gebastelt. Ich habe um zwei Uhr morgens Pappteller aneinandergetackert, die, bemalt, wie Fahrradreifen aussahen, ich habe Glitzerstaub eingeatmet, als meine Tochter und ihre Freundinnen beim letzten Geburtstag die Ballons mit „Aufgaben“ zertreten haben. Ich habe zehn verschiedene Gespensterchen gemalt und auf Dosen geklebt, ich habe 40 Luftballons aufgepustet, damit mein Kind am Geburtstagsmorgen durch ein „Meer“ wandeln konnte und aus einer Kartoffel eine „8“ geschnitzt, um damit die Einladungskarten meines Ältesten zu bedrucken - um nur einen klitzekleinen Teil zu erzählen.


Ja, ist gut. Noch ein Zwanziger ins Schweinchen. Aber ich mache das alles wirklich mit Passion! Vielleicht denke ich an ein siebtes Standbein als Kindergeburtstagsplanerin…


Mein Sohn überlegt, an seinem Geburtstag in knapp zwei Wochen mit seinen Freunden ins Kino oder zum Minigolf zu gehen. Wie jetzt? Nicht zu Hause??

1 Kommentar:

Marco Dirscherl hat gesagt…

Also ich bin dem Kindergeburtstags-Outsourcing nicht abgeneigt. Bei unserer Kleinen geht das ja erst los aber unsere Große durfte ihren siebten Geburtstag mit ihren zahlreichen Freundinnen auf einem Indoor Spielplatz feiern. Catering inklusive. Ich muss sagen ich war nach einem Kindergeburtstag selten so entspannt... :-)