Mittwoch, 12. Oktober 2011

Kleinste Ode an die Sprache

Ich freue mich so sehr und weine deshalb ein bisschen. Um mich herum schlüpfen gerade unfassbar viele bezaubernde Babys, werden noch ausgebrütet, oder sind zumindest schon in Planung. Kinder, is das schön. Und wie wunderbar, liebe Neu- und Baldeltern, werdet ihr den Tag finden, an dem euer Kind zu Sprechen anfängt, selbst, wenn das erste Wort nicht ein - wie ich meine - angemessenes „Mama“ ist, sondern „Papa“ oder „Auto“ (undankbare, kleine Kröte…).


Es wird der Tag kommen, an dem ihr euch wünscht, euer Nachwuchs hätte niemals Sprechen gelernt. Etwa, wenn euer neunjähriger Sohn in seinem doch so kurzen Leben zum 2920ten Mal nach der Aufforderung, Zähneputzen zu gehen, „Muss ich??“ fragt. Oder eure vierjährige Tochter an eurem 30. Geburtstag ein fröhliches „Mami, jetzt bist du eine richtig alte Schachtel!“ ruft. Ein Anekdötchen, welches mir ein Glück nicht selbst widerfahren ist, sondern das ich ungefragt hiermit weitergebe, ist, als der Anblick eines verknitterten Neugeborenen den Kindergartenkind-Besuch zu einem „Wooah, ist DAS hässlich!!“ inspiriert hat. Oh Erde, tu dich auf!


Ihr werdet die Wortgewalt eures Kindes verfluchen, wenn ihr eineinhalb Stunden lang darüber mit ihm diskutiert, weswegen man im Winter nicht mit dem ärmellosen Sommerflatterkleidchen (und zwar AUSSCHLIESSLICH mit dem ärmellosen Sommerflatterkleidchen!) nach draußen geht und warum es wichtig ist, die selbst gemachte Joghurtsoße zum Fisch nicht in Gänze über dem Tisch zu verteilen:


„Ui, schau mal, nicht so wackeln, du verschüttest alles.“

„Ach, das ist doch egal.“

„Nö, isses eigentlich nicht.“

„Doch. Mir.“


Aha. Und wenn sie zusätzlich zum Sprechen auch schon zählen können, könnte euch passieren, dass euer Kind nach dem Klassiker „Ich zähle bis drei!“ nach der „Drei“ die Hände in die Hüften stemmt und „Ja. Und dann kommt „vier“.“ sagt. Oder euch ob eurer offenbar fragwürdigen Erziehungsmethoden ein „Ich zieh jetzt um!“ entgegenbrüllt. Schön, wenn man seinen Nachwuchs im Griff hat.


Aber ganz besonders wunderbar, liebe Neu- und Baldeltern, werdet ihr die Tage finden, an denen euer Kind euch sagt, dass es euch „tausend mehr liebt, als eigentlich gedacht“, dass es an den „Ringen erkennt, dass diese Karotte drei Jahre alt war“, wenn es vom Schulkinderbesuch im Kindergarten erzählt und aus „Denis“ „Penis“ wird, wenn es nach einem Blick aus dem Fenster enttäuscht feststellt, dass es „ja gar keinen Schnee hingewintert hat“, oder es euch ungefragt (und anscheinend „wickel- und säckchengeschädigt“) gegen eure Bauchschmerzen eine „Zwiebel an den Hals“ tun würde.


Wenn die Taufe eures Kindes, so überhaupt, erst im Sprechalter stattfindet und ihr mit ihm die Zeremonie durchgeht, könnte es sein, dass es euch ernst fragt, ob es denn bei all der „Wasserpritschlerei“ eine Badehose braucht, es nach der Aufforderung im Restaurant, mit ihm die Toilette aufzusuchen, „Wieso? Hast du Angst alleine?“ entgegnet, oder es in euer Ohr flüstert „Mami? Ich hab eine Idee!“ „Ja? Welche denn?“ „Scho-ko-la-de…“.


Schade eigentlich, dass wir ab jetzt keine Kinder, sondern nur noch Haustiere bekommen. Was wäre wohl das erste Wort?

1 Kommentar:

Marco Dirscherl hat gesagt…

Hach ja, es ist schon herrlich wenn Schmetterlinge vorbeischmettern, im Kiga das Pumpenhaus aufgeräumt wird oder man Dinge nicht wegwerfen darf weil man sie noch herbrauchen kann. Kindermund ist ein Quell der Heiterkeit. Zumindest bis das mit den Widerworten losgeht und man sich die "mute" Taste herbeisehnt...