Sonntag, 16. Oktober 2011

Call me "Norden"

Zunächst möchte ich festhalten, dass Folgendes in keinster Weise etwas mit Objektophilie zu tun hat – nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass im Lauf dieses Geschichtleins hierüber Zweifel aufkommen sollten, denn…


…ICH LIEBE UNSEREN ESSTISCH!! Ehrlich wahr, der ist einfach großartig. Nicht, dass es ein teurer Tisch wäre, sein Wert liegt eher im, wie ich meine, wichtigeren Ideellen. Bei Bedarf wird er, mit der Stirnseite eigentlich an der Wand stehend, in die Mitte des Raumes geschoben. Und dann von der normalen Version, 2.20 m lang, durch Einfügen der Zusatzplatte auf stolze 2.66 m gebracht. Das Kabel der tief hängenden Lampe verknote und verkürze ich daraufhin „kopfstoßfreundlich“ mit Hilfe eines, wie heute, hellblauen Haargummis einer meiner Töchter.


Allerdings sind auch knapp 3 Meter manchmal viel zu kurz. Es wohnt nämlich ein feierwütiges Volk in diesem Haus, das ebenso feierwütige Freundschaften pflegt. Und ganz abgesehen davon, dass auch das Anverwandte ein „seid fruchtbar und mehret euch“ mehr als ernst genommen hat, und wir familienintern an Geburtstagen in der allerkleinsten Besetzung bereits auf mindestens 15 Leute kommen, rumpeln auch glücklicherweise die ein oder anderen Freunde zu diversen Festivitäten vorbei. Mittlerweile weiß auch jeder nicht hier Wohnende, wohin er soll, um die schon acht „festen“ Stühle an unserem Esstisch durch mindestens zehn weitere Sitzgelegenheiten zu erweitern. Und wer trotzdem tatsächlich gar keinen Platz findet, schmeißt sich eben auf die daneben stehende Recamiere.


Ein toller Tisch jedenfalls - der schon Höhle war, Rednerpult, Ausstellungsfläche und Kletterpark. An ihm wurde und wird gegessen, gesungen, gelesen, gemalt, gelacht, geweint, erzählt, geschwiegen und diskutiert, hier werden Kompromisse geschlossen, Hausaufgaben gemacht, Geschenke eingepackt, Plätzchen gebacken und Adventskränze gebunden. Hier wurde „Hurra“ geschrieen und „Du kannst mich mal“ gebrüllt, es wurde Familienzuwachs verkündet, es wurden Freundschaften beendet und neue begossen.


Aber nicht nur zu allerlei Festlichkeiten, auch für das „Einfachso“ wird unser Esszimmertisch häufigst genutzt. Die Miracoli-Werbung von vor ein paar Jahren ist nichts gegen die – sozusagen - Fluktuation in unserem Haus. Aus drei Kindern mach vier. Oder fünf. Oder sechs. Ein spontanes Abendessen, an dem jeder Gast noch schnell nach Hause fährt und den eigenen Kühlschrank räumt, um sich gleich darauf mit diversen Köstlichkeiten wieder einzufinden? Aber selbstverständlich.


Ich habe daran gedacht, unseren Tisch, wie so vieles in diesem Haus, weiß zu lackieren. Dazu müsste ich ihn aber erst abschleifen. Und somit allerlei Spuren der letzten Jahre beseitigen – Gabelhaudraufabdrücke, Acrylfarbe, das eingeritzte Strichmännchen meines Sohnes, nicht wegschrubbare „Pinselfarbe“… Niemals. Scheiß auf weiß.


Heute saß übrigens ein wolkiger, zuckersüßer Babyhund unter unserem Tisch. Eigentlich gefällt es mir gar nicht, dass mir das so gefallen hat.

Kommentare:

Marco Dirscherl hat gesagt…

"Unsere Möbel sind nicht schäbig, sie haben Charakter!" :-) Außerdem macht eine Wohnung erst eines wohnenswert: die Menschen, die sie bewohnen!

san hat gesagt…

Ich vermisse, nicht auf "Gefällt mir" klicken zu können! :-)