Mittwoch, 7. September 2011

Wo die schönen Blumen blühen

Unser Garten ist klein. Klitzeklein. Die Rasenfläche ist gemäht, sobald man den zuvor darauf abgestellten Elektrorasenmäher an seinem Kabel zurückgezogen hat.


Ringsum wächst, was wachsen möchte. Das ein oder andere habe ich sogar selbst eingepflanzt, rechtmäßig erworben oder spontan auf der Fahrt von A nach B am Wegesrand ausgegraben (olé Warnblinkanlage!). Sollte Ihnen neben einer bayerischen Landstraße mal eine Frau auffallen, die in einem Margaritenfeld auf einem Klappspaten herumhüpft, winken Sie freundlich. Das bin ich.


Dass auf diesem lustigen Fleckchen Gänseblümchenwiese dennoch zwei Bäume, ein Holzpodest und ein Zinkwannenteich Platz haben, erstaunt mich. Denn eigentlich ist unser „großes draußen“ ein gepflasterter Innenhof.


Ein - wie ich finde - wirklich wunderschöner Innenhof, von der Straße weitestgehend uneinsehbar, mit alten Rosen, vielen alten Kleinmöbeln, einem Trampolin, Kissen aus von meiner liebsten Freundin importiertem, englischem Gemüsesack und einem aus einer Palette gezimmerten Sommerbett. Es gibt einen hölzernen Sandkasten, an Balken aufgehängte Schaukeln und eine Menge Kram, die genau genommen anderswo liegen sollte. All das neben einem Haus, das an drei Seiten mit wildem Wein und Efeu überwuchert wird (an dieser Stelle: nein, es macht mir nichts aus, dass ich jeden Herbst vierzehn 120 l Säcke Blätter zusammenfege, nein, wir haben im Sommer deswegen nicht mehr Insekten im Haus, als andere Leute, ja, ICH mag das so.).


Der viele Steinboden ist nun aber der Grund, weswegen wir auch einige Pflanzkübel haben, sowohl zu dekorativen Zwecken, als auch, um die Slalomstrecke für Bobby Car- und Laufradrennen abzugrenzen. In gut der Hälfte der tönernen Töpfe „wächst“ Buchs. Immer grün, immer dankbar. Die andere Hälfte gestalten wir selbst. Mit Blumen der Saison sozusagen.


Letzteres galt es jedenfalls, in Angriff zu nehmen, und so statteten meine Kinder und ich uns an einem sonnigen Spätsommerfrühherbstnachmittag mit Korb und Sackkarre aus und brachen auf zu dem Gärtner unseres Vertrauens.


Man lebt seinen Kindern vor, was man sich von ihnen wünscht.

Bei einer Mutter, die selbst immer alles angrabbeln muss, ist die Regel „Nur mit den Augen kucken, nicht mit den Händen!“ allerdings eher schwer vermittelbar. Kein Wunder also, dass wir letztlich neben Blumenerde, einem Büscheldingsgras und Chrysanthemen auch Schwimmkerzen, Minigurken und Haselnüsse unser eigen nennen durften. Und weil sie leider allesamt bereits anderswo wohnten, bereichern jetzt nicht auch noch die ein oder anderen fleischfressenden Pflanzen unseren Haushalt, was mein Großer mit einem derart genervten Augenverdrehen quittierte, wie es einem Achtjährigen anatomisch auch nur möglich ist.


Letzterer und die Mittlere nutzten, wieder zu Hause angekommen, die erste sich ihnen bietende Gelegenheit, sich zu verdrücken. Das kleine Eine und ich blieben zurück. Grinsend sah ich zu, wie es fröhlich mit einer lilagelben Sandschaufel bewaffnet, Erde aus dem Sack in die zuvor von mir bereitgestellten Töpfe manövrierte. Nach jeder zweiten Ladung musste die Schaufel gewaschen, in die Sandkiste getaucht und erneut gesäubert werden. Schwer atmend und sich blonde Haarsträhnen aus der Stirn streichend, nicht ohne dabei diverseste Rückstände zu hinterlassen, schippte es mit beiden Händen Erde.


Seit ich Kinder habe, gebrauche ich Sätze wie „Das ist der schöööönste Wurm, den ich jemals gesehen hab!“. Das „Bljäch…“, welches ich noch hinterherschicke, erfolgt ausschließlich gedanklich. Deshalb durfte ich mit meiner Zweijährigen, die Schaufelei kurzzeitig unterbrechend, auch ausgiebige botanische Beobachtungen an einem tausendfüsslerartigen Dings unternehmen. Ich weiß nicht, was es war, ich mochte es aber nicht anfassen (und noch weniger wollte ich, dass es MICH anfasst!).


Der Ausspruch „Nur die Harten komm´ in Garten!“ erhielt durch uns eine neue Bedeutung, als wir die Zweige der Chrysanthemen, die das nun folgende Einsetzen nicht unbeschadet überstanden, in eine Vase stellten.


Frisch Eingepflanztes muss bekanntlich gut angegossen werden. Vielleicht nicht so gut, dass es wieder aus den Töpfen ausgeschwemmt wird, aber zu beobachten, wie mein Jüngstes mit Minigießkanne und Schöpfkelle aus der Kinderküche hantierte, machte mich nahezu handlungsunfähig. Eine kluge Mutter stattet ihr Kind vor einer solchen Aktion mit Gummistiefeln und Matschhose aus. Ich bin keine kluge Mutter. Mit nassen Socken, nasser Hose und nassem Bauch seine beiden Hände hochhaltend, teile mir das Kleinste mit, es würde sich jetzt waschen und danach Abendessen wollen und verließ singend die Szenerie.


Ich sah mich um. Gut zwölf von den 45 Litern Blumenerde lagen auf dem Boden. Mit einem weiteren halben Kubikmeter Sand, dem Gartenschlauch, einem Spaten, vier Sandschaufeln, der Gießkanne, der Schöpfkelle, dem leeren Blumenerdensack, vielen Wasserpfützen, der Sackkarre und den neu gestalteten Pflanzkübeln bildeten sie ein bezauberndes Stillleben. Ich nahm – ebenfalls singend - einen Besen zur Hand und beschloss, morgen noch einmal mit meinen Kindern zum Gärtner zu gehen.

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