Montag, 5. September 2011

Nightmare on Bedstreet


Neben den zweifelsohne vielen schönen und bezaubernden Momenten, die einem die eigenen Kinder bescheren, hat das Elterndasein auch Vorteile gänzlich anderer Art. Kannste dir keine Witze merken? Macht nix. Einer wird sich, zeitgleich zur erfolgreich abgeschlossenen Fortpflanzung förmlich einbrennen und auf ewig präsent sein, nämlich: „Gute Na-haacht!“…

19.43 Uhr. Bei uns wird die Zu-Bett-Geh-Phase eingeläutet. Pipi machen, Händewaschen, Zähneputzen, Schlafanzug anziehen, Buch aussuchen, lesen, kuscheln, küssen, Licht aus. So. NIE funktioniert das derart reibungslos, wie es sich jetzt hat aufschreiben lassen, aber das soll nicht das Thema sein. Das Thema soll sein, was sich nach dem ausen Licht ereignet hat.

20.27 Uhr. Die Anschaffung eines DVD Recorders war eine der am meist belächelten, aber letztlich großartigsten Anschaffungen unseres Haushalts. Sonntagabend beim Tatort den Mörder verpassen? Nie wieder! Den Beginn des einen (bei mir dadurch aber wertlos gewordenen) guten Films, der außerhalb der Weihnachtsfeiertage im Fernsehen läuft, nicht mitkriegen, weil man länger darüber sprechen muss, weswegen man den anderen nicht mit Zahncreme bespuckt? Pah! Nicht mehr mit mir.

Ich lasse Haushalt Haushalt sein, hole mir ein Glas Wein und schalte den Anfang (!) des guten Films an. Kaum hat mein Hintern jedoch die textile Oberfläche unseres Sofas berührt, steht Kind 1 neben mir: „Ich kann nicht schlafen!“ Ach. Wann in den letzten zweieinhalb Minuten, die vergingen, seit ich das Kinderzimmer verlassen habe, hätte denn der Versuch dazu stattfinden sollen? Ich drücke Pause. „Machst du mir bitte noch einen Wasserbecher?“ Klar. Kind 2 muss noch einmal auf die Toilette, Kind 3 ruft „Ich hab ausgeschlafen!“, alle möchten noch (mehr) Wasser und müssen dringend an einer unerreichbaren Stelle am Rücken gekrault werden. Nachdem ich eine eingebildete Fliege verjagt, den falschen durch den richtigen Diddie (den mit der Krone) ausgetauscht und einmal richtig laut „Verdammte Hacke, Schluss jetzt!“ gesagt habe, ist Ruhe. Viel zu spät mittlerweile. Ich beschließe, bei meinen Kindern morgen um 18.00 Uhr mit dem Schlafengehen anzufangen.

22.32 Uhr. Ich quartiere unsere etwas unruhig schlafende Zweijährige, die sich ständig abdeckt, aber leicht erkältet ist, in unser Bett um. Der Gedanke, nur eine Extremität zum erneuten Zudecken unserer Kleinsten gebrauchen zu müssen, anstatt nächtens mehrmals meinen ganzen Körper von einem Ende des Hauses zum anderen zu manövrieren, verlockt mich, und lässt mich eventuell begrenzten Schlafraum vergessen.

00.12 Uhr. Nach Film, Nachrichten, diversen Vorbereitungen, die mir den nächsten Morgen bezüglich Frühstück und Brotzeitmachen für Schule / Kindergarten erleichtern, sowie Bad, falle ich neben Kind 3 in die Kissen.

1.17 Uhr. „Mama?“ „Hm?“ „Mir is schlecht.“ Ich hebe die Bettdecke hoch und lasse Kind 2 darunter schlüpfen. Boh. Eng hier. Mein mittlerweile ebenfalls anwesender Mann, das Kleinste, ich, die Mittlere. Verteilt auf zwei Metern Matratze. Von oben gesehen ergeben wir bestimmt ein tolles Wort in Steno. Oder eher Geheimschrift. Strich – Punkt – Strich - kurzer Strich. Lässig. Ich lege meinen Kopf auf meinen seitlich ausgestreckten Arm und schlafe wieder ein.

3.49 Uhr. „Mama?“ „Ja?“ Kind 1 steht zitternd vor mir. „Ich hab schlecht geträumt…“ Nicht schlimm. Ich bin sowieso wach. Mein einer Arm ist das einzige an mir, das schläft. In den letzten zweieinhalb Stunden habe ich geschätzte 12mal Kinderkörperchen in Decken gehüllt und Gliedmassen entwirrt. Meine verzweifelten Versuche, eine halbwegs angenehme Schlafposition einzunehmen, kann ich ohne den Gebrauch von „bösen Wörtern“ nicht beschreiben und lasse es daher. Ich tröste mein wankendes Kind und schaffe für es Platz, indem ich mich am Fußende quer ins Bett lege und meine Beine unter eine Bettdecke stecke, die eigentlich die meine ist.
Mein Mann schläft gut.

4.51 Uhr. Offenbar muss ich doch irgendwann eingenickt sein, denn ich bin mit einer Wolldecke aus dem Wohnzimmer zugedeckt und mein Erstgeborener schnarcht in seinem eigenen Bettzeug. Die gut gemeinte und liebevolle Absicht meines Mannes wird von meiner Unzufriedenheit bezüglich der sich dadurch verschlimmerten Platzsituation übertüncht.

4.52 Uhr. Ich habe Schmerzen. Überall. Warum hab ich damals, als mein Mann vorschlug, unser Bett noch ein Stück zu verbreitern, nein gesagt? Bin ich denn irre? Welches Wort ergeben wir von oben? Ha! IDIOT!!! Ich schwöre mir, nie wieder eine bauliche Idee meines Liebsten abzuschmettern.

5.37 Uhr. Wieso habe ich mich denn nicht gleich auf die Couch gelegt himmelarschundzwirn?? Oder in eines der Kinderbetten, die länger als 1.40 m sind? Ich weiß es nicht. Und jetzt ist es dafür auch schon zu spät. Sollndiesichmorgnnachtdochallealleinezudeckenmirdochwurscht!!!!

5.58 Uhr. Mein Wecker klingelt das erste Mal. Ich entscheide später, wie ich es finde, dass die Nacht (schon) vorbei ist.

6.10 Uhr. Weckerklingeln zwei. Die Meute neben mir schläft tief und fest. Sicher. Die habens ja auch GEMÜTLICH!!!

6.12 Uhr. Ich stehe auf. Das heißt, ich versuche, aufzustehen. Noch kann ich nicht genau sagen, welche Stelle meines Körpers am meisten schmerzt. Ich freue mich, dass sich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis erstaunlich viele Physiotherapeuten befinden. Sieben an der Zahl. Hallelujah!

Mein Mann fragt mich, als er mir nach einem Seitenblick unaufgefordert einen Milchkaffee hinstellt, weshalb ich denn nicht auf die Couch oder in eines der Kinderbetten…? AAAAAAAAAAAAHHHHHH!!!!

Oh! Einen hab ich noch: „Guten Moooorgen!“!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

immer wieder lustig deine Anekdötchens :-) vorallem dieser eine Satz "MEINMANNSCHLÄFTGUT" - wie zum Hemker kann das sein??? Aber: das ist überall das gleiche!!! wie jetzt, "das Kind hat heut Nacht geweint, weil die Nase so verstopft war?"...