Mittwoch, 14. September 2011

Der Schlepp-Depp

Ich bin eine Frau und ich habe Handtaschen. Viele. Ich besitze keine teuren Taschen, der Hersteller ist mir egal (auch wenn ich zugegebenermaßen überlege, mit meiner liebsten Freundin zu brechen, indem ich nächtens bei ihr einsteige und diese unglaubliche Furla-Bag klaue, die sie unlängst in Italien erstanden hat), einzig: groß muss sie sein. Sehr groß.


Meine Handtaschen hatten schon immer einen gewissen Umfang. Geldbörse, Handy, Schlüssel, Kaugummi, Handcreme, Taschentücher, Kugelschreiber und diverse Utensilien, die mich so blendend aussehen und auch gut riechen lassen, wie ich es tue (dalachtsie), bedürfen entsprechenden Raumes. Auch beispielsweise Konzertkarten und Schals, Halsbonbons, Flyer und Wasserflaschen wollen von mir verstaut werden. Wie man beim Weggehen mit einer winzigen Clutch auskommt, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Ich gehe davon aus, dass deren Trägerinnen das andere, unterwegs dringend benötigte Zeug, das darin keinen Platz gefunden hat, einstweilen in einem Seesack im Auto lagern.


Mittlerweile gehöre ich bekanntermaßen zur Kategorie „Frau und Mutter“. Und obwohl das eine oftmals das andere ausschließt, das andere hingegen niemals das eine. Für mich persönlich heißt das übersetzt, neben all den oben genannten Kleinigkeiten habe ich auch die Dinge meiner Kinder mitzunehmen. Sobald wir das Haus verlassen, stopfe ich in meine Handtasche, bis die Kunstlederschwarte kracht. Auslaufsichere Trinkflaschen, Feuchttücher, Pixi-Bücher, Fruchtriegel, noch mehr Taschentücher, Brotzeitboxen mit Salzbrezeln und Äpfeln, den Ersatz-Diddie, Arnika-Globuli und Wechselklamotten - um nur einen Teil zu nennen. Die Haargummis, Überraschungseierfiguren, Luftballons und Holzbausteine lege ich nicht bewusst dazu. Die sind einfach da.


Dass wir die Windelphase tagsüber inzwischen erfolgreich abgeschlossen haben, bringt mich um das Zusatzgewicht von eben jenen, Müllbeuteln, Wundschutzcreme und Waschlappen. (Die Furche, die nach einer halben Stunde Tragen an meiner rechten Schulter, genau in der Mitte zwischen Halsbeuge und Oberarmbeginn entsteht, ist deswegen allerdings nicht bedeutend kleiner geworden.)


Noch vorhandene Zwischenräume werden unterwegs mit Fundstücken aufgefüllt. So darf ich abends mit Moos bewachsene Stöckchen, besonders geformte Steine und speziell jetzt im Herbst Kastanien und Walnüsse aus meiner Handtasche klauben. Und sollten wir das leider eher seltene Vergnügen haben, von meinem Mann begleitet zu werden, hält er mir, sobald wir unseren Zielort erreicht haben, mit fragendem Blick kurz sein eigenes Handy, das Portmonee und seinen Schlüsselbund hin, um diese Sachen sodann ebenfalls elegant in meine Tasche gleiten zu lassen.


Sozusagen zu Recherchezwecken habe ich ein Experiment durchgeführt. Küchenwaagen wiegen bis fünf Kilo. Wolle rate? Ich jedenfalls glaube jetzt an die Pippi Langstrumpf in mir. Aushäusig problemlos auf der einen Seite meine Tasche und zeitgleich auf der anderen wahlweise Lebensmittel, Kind oder Kinderfuhrpark stemmen zu können, gefällt mir.


Manchmal, wenn ich nur mit Freundinnen unterwegs bin, entferne ich vorher alle nicht kinderspezifischen Gegenstände aus meiner Handtasche. Dann kann es vorkommen, dass ich während des Abends auf ihren wenigen Inhalt vergesse und sie mit dem sonst üblichen Schwung hochhebe… Ernsthaft verletzt wurde bisher niemand.


Rucksäcke sind im Übrigen keine Alternative für mich. Ein Rucksack ist die Hülle für ein Camelbak. Vor ein paar Tagen habe ich mir für unsere Schwimmbadbesuche (nasse Handtücher von mindestens vier Personen sind gewichtstechnisch nicht zu unterschätzen!) eins dieser Schiebe-Einkaufstrolly-Teile gekauft, Marke „Orthopädenfreund“. Lassmichkurzüberlegennein.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

schönen gruß von einem weiteren schlepp-depp.